Zu alt für sowas
Kritik
Manchmal ist es einfach herrlich, in die andere, verrückte Seite des Lebens einzutauchen – und „Zu alt für sowas“ bietet genau das in Form einer überraschend spritzigen Thriller-Nummer. Samantha Downing gelingt hier die Kunst, eine Figur zu erschaffen, die man auf den ersten Blick für absolut harmlos hält, nur um dann festzustellen, dass unter der Oberfläche so manche Leiche lauert – wortwörtlich. Lottie Jones wirkt wie die nette alte Dame von nebenan, die Bingo liebt und sich für das Leben ihrer Kinder interessiert. Doch plötzlich taucht die hartnäckige Journalistin Plum Dixon auf und beginnt, kräftig Staub in Lotties dunkler Vergangenheit aufzuwirbeln.
Der Clou liegt für mich in Lotties Charakter: alt, ein bisschen schrullig und doch clever und abgebrüht genug, um sich mit unliebsamen Fragen und den Schatten ihrer eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Downings Schreibstil trifft genau den richtigen Ton – leichtfüßig und mit einer Prise bitterbösem Humor, die Spannung erzeugt, ohne ins Überdramatische abzudriften. Man fühlt sich nicht wie in einem düsteren Verhör, sondern eher wie bei einem entspannten, wenn auch sehr ungewöhnlichen Plausch am Küchentisch.
Einziger Wermutstropfen: Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass bestimmte Wendungen etwas weniger vorhersehbar sind. Trotz des flotten Erzähltempos schleicht sich gelegentlich etwas Routine ein, die dem frisch-knackigen Gefühl ein bisschen die Schärfe nimmt. Aber hey, das ist Jammern auf hohem Niveau.
Wer also Lust auf eine originelle Geschichte hat, die mit Klischees spielt, alte Rollenbilder einmal kräftig untergräbt und dabei spannend und witzig bleibt, sollte hier definitiv reinschauen. Perfekt für alle, die Thrill mögen, aber keine Lust auf schwere Kost oder das ewige Standard-Kriminalspiel haben.
Kurzes Resümee: Ein smart inszenierter Thriller mit Pfiff und einem ganz besonderen Dreh, der zeigt, dass Alter nicht nur eine Zahl ist – sondern auch mörderisch sein kann. 4 von 5 Sternen.