Im Sog der dunklen Mächte - Bernie Gunther ermittelt, Band 2 (ungekürzte Lesung)
Kritik
Kaum eingestiegen, war ich sofort mittendrin im brodelnden Sommer 1938 in Berlin – heiß, angespannt und vor allem düster. Philip Kerr schickt uns mit Bernie Gunther in einen gnadenlosen Wettlauf gegen die Zeit, bei dem nicht nur die Wahrheit, sondern auch das nackte Überleben auf dem Spiel steht. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen, und unser abgeklärter Ermittler steht zwischen den brutalen Ansprüchen der SS und dem Drang, Gerechtigkeit walten zu lassen. Spannung pur, die sich kein Krimifan entgehen lassen sollte.
Bernie Gunther als Protagonist ist eine Klasse für sich: zynisch, clever und mit einer moralischen Grauzone, in der er sich elegant behauptet. Mir hat besonders gefallen, wie Kerr mit beiläufigen Details gleichzeitig Zeitgeist und Atmosphäre einfängt – da fühlt man sich tatsächlich ins Berlin der späten 30er Jahre versetzt, ohne dass es jemals langweilig oder zu historisch schwer wird. Der Erzählstil ist schnörkellos, manchmal bissig, und trotzdem fließt die Geschichte mit viel Tempo und Witz durch die Ohren.
Klar, ab und zu wäre ein wenig mehr Tiefe in den Nebenfiguren nett gewesen, denn manche wirken dann doch etwas flach. Auch die Spannungsspitzen verteilen sich nicht immer ganz gleichmäßig – kleine Durchhänger schleichen sich ein, die mich kurz aus dem Erzählfluss herauszogen. Nichtsdestotrotz sind das eher kosmetische Fehler, die das mitreißende Gesamtpaket kaum trüben.
Wenn ihr Lust auf einen knackigen Krimi mit historischem Hintergrund, einem Helden, der nicht immer heldenhaft ist, und einer Story, die unter die Haut geht, habt, dann ist dieser zweite Band von Bernie Gunther genau das Richtige. Kein Betthupferl zum Einschlafen, eher ein echtes Hör-Erlebnis, das euch wachrüttelt und gleichzeitig bestens unterhält.
4 von 5 Sternen – spannend, cool und atmosphärisch dicht. Wer sich auf die Schattenseiten der Vergangenheit und einen cleveren Ermittler einlassen will, macht hier garantiert nichts verkehrt.