Das alte Kapitänshaus - Inselsehnsucht - Jersey-Träume, Band 1 (Ungekürzt)
Kritik
Manchmal braucht man einfach diese Art von Geschichte, die sich anfühlt wie eine warme Umarmung an einem verregneten Tag – und genau so ist „Das alte Kapitänshaus“ von Anne Labus für mich gestartet. Drei Schwestern, ein altes Gästehaus auf Jersey und eine Bedingung, die alles auf den Kopf stellt: Jede muss die Pension allein führen, bevor sie überhaupt über einen Verkauf nachdenken dürfen. Klingt nach leichtem Sommerlesen? Ja, und doch steckt mehr drin.
Lilly, die Erste im Bunde, stolpert förmlich in den Hotelalltag hinein, und man fühlt sofort mit ihr. Die vielen kleinen und großen Probleme, dazu die komplizierte Vergangenheit mit Simon und die flirtwillige Ablenkung bei George – die Charaktere sind so authentisch gezeichnet, dass man das Gefühl hat, selbst auf der Insel zu sein, mit Blick auf das Meer und den salzigen Wind in der Nase. Der Schreibstil von Anne Labus ist dabei herrlich unkompliziert und flüssig, ein echter Sog, der einen durch die Seiten trägt, ohne zu verkopft zu wirken.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Kombination aus Familiendrama und einer Prise Romantik, die nie kitschig oder übertrieben wird. Es gibt genug Spannung und unerwartete Wendungen, um bei der Stange zu bleiben, ohne dass die Zahnräder sich zu sehr drehen. Nur das Tempo hätte für meinen Geschmack manchmal etwas gleichmäßiger sein dürfen – zwischendurch wirkt es stellenweise ein wenig gehetzt, vor allem wenn viele Emotionen auf einmal verarbeitet werden.
Für alle, die sich nach einem Wohlfühlroman sehnen, der trotzdem mit Ecken und Kanten punktet, ist „Das alte Kapitänshaus“ genau die richtige Wahl. Wer auf Inselromantik mit realistischen Figuren und einer guten Portion Herz steht, sollte hier unbedingt reinschauen.
Ich gebe 4 von 5 Sternen – weil ich gern noch ein bisschen länger auf Jersey geblieben wäre.