Too much - Warum wir Kontrolle suchen - und Kraft im Loslassen finden (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Manchmal fühlt sich das Leben einfach zu viel an – zu laut, zu schnell, zu chaotisch. Genau in diesem Gefühlsdschungel setzt Eva Asselmann mit „Too much“ an und bietet eine wohlige Einladung, der eigenen Überforderung mit offenem Herzen zu begegnen. Die Psychologin schafft es, ganz ohne verkopfte Floskeln zu erklären, warum Kontrolle für uns alle so wichtig ist – und warum wir genau dadurch oft das Gegenteil von dem erreichen, was wir uns wünschen.
Im Kern geht es darum, wie wir mit der rasanten Welt da draußen umgehen, wenn alles über uns hereinbricht: der ständige Reizüberfluss, die Ungewissheiten und der Druck, uns permanent optimieren zu müssen. Asselmann zeigt nachvollziehbar, dass unser Kontrollversuch nicht die Rettung ist, sondern uns noch tiefer in den Strudel ziehen kann. Stattdessen geht es ums Loslassen – um das Vertrauen darauf, dass wir auch ohne alles in der Hand zu halten, handlungsfähig bleiben. Kein trockenes Psychogewäsch, sondern klare, lebensnahe Einsichten, die manchmal fast wie eine sanfte Hand auf der Schulter wirken.
Was mir besonders gefallen hat: Der Ton ist nahbar und warm, ohne ins Esoterische abzudriften. Man spürt, dass hier jemand mit großer Erfahrung und einem echten Interesse am Menschen schreibt. Die Lesung verstärkt diesen Eindruck sogar noch, weil Asselmann so authentisch und ruhig spricht, dass man sich richtig aufgehoben fühlt. Allerdings könnte die Dichte der Themen für manche eine kleine Herausforderung sein – hier muss man sich Zeit nehmen, um überhaupt bei sich selbst anzukommen und nicht gefrustet abzubrechen.
Wenn du also auf der Suche nach einem Buch bist, das dir nicht den perfekten Masterplan aufdrängen will, sondern dich ehrlich dabei begleitet, Ruhe inmitten des Chaos zu finden, bist du hier genau richtig. „Too much“ ist wie eine kleine Auszeit fürs Herz und den Kopf, ideal für alle, die merken: Mehr Kontrolle führt nicht immer zu mehr Zufriedenheit. Für alle, die bereit sind, die Komfortzone des ständigen Griffes nach dem Steuer loszulassen und stattdessen neue innere Kraft zu entdecken.
Fazit: Ein tröstlicher, kluger Begleiter durch die Überforderungsfallen unserer Zeit – der Mut macht, loszulassen und dennoch handlungsfähig zu bleiben. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.