Im Rausch des Vergnügens : Eine Reise in das England von Jane Austen und Lord Byron
Kritik
Das Regency-Zeitalter hatte mich schon immer fasziniert – eine Zeit voller Gegensätze, in der Eleganz auf Exzess trifft und sich undercurrents von Aufruhr und Freigeist durch die Gesellschaft ziehen. Ian Mortimer hat mit „Im Rausch des Vergnügens“ genau diesen Vibe wunderbar eingefangen und lädt uns auf eine abwechslungsreiche Reise durch die bunte Welt Englands zwischen 1770 und 1820 ein.
Im Kern geht es um mehr als nur historische Fakten: Mortimer zeigt, wie Menschen damals lebten, liebten, lachten und auch kämpften. Überbordender Luxus neben bitterster Armut, poetische Freiheit neben strengem Moralismus – dieser Balanceakt macht das Buch so lebendig. Von Jane Austen, deren subtiler Witz wunderbar in diesen Kontext gesetzt wird, bis zu Lord Byron, der mit seinem rebellischen Geist die Grenzen sprengte, werden die wichtigsten Figuren anschaulich und nahbar gezeichnet. Auch die Nebencharaktere, vom modischen Beau Brummell bis zum alltäglichen Volk, bekommen ihre verdiente Bühne – da blinkt Geschichte mal nicht nur fromm und staubtrocken.
Was richtig Spaß macht, ist Mortimers lebendiger, fließender Stil. Er holt einen ins Geschehen, ohne je belehrend oder trocken zu wirken. Zwischendurch dachte ich mir öfter: „Ja, so lebte man damals wirklich – mit all den kleinen und großen Ausschweifungen, den Skandalen und der Sehnsucht nach Veränderung.“ Besonders gelungen fand ich, wie Mortimer die gesellschaftlichen Widersprüche mit einem Augenzwinkern präsentiert und so das Bild eines lebendigen, widersprüchlichen Englands zeichnet.
Kritisch gesehen, hätte ich mir manchmal etwas mehr Tiefgang bei einzelnen Persönlichkeiten gewünscht, vor allem bei den weniger berühmten, deren Geschichten spannend aber nur kurz angerissen werden. Auch schwankt das Tempo gelegentlich, und man merkt, dass hier viel Wissen in einem Band zusammenkommt – das muss man mögen, sonst kann es schnell mal nieselig werden.
Unterm Strich ist dieses Buch ein echter Gewinn für alle, die Geschichte nicht als staubtrockene Chronik, sondern als buntes, atmendes Panorama erleben möchten. Perfekt für alle Jane-Austen- und Lord-Byron-Fans, aber auch für Neugierige, die einfach mal in eine Zeit voller Gegensätze eintauchen wollen.
Ich gebe 4 von 5 Sternen: Ein spritziges, unterhaltsames Stück Geschichte, das Lust macht, mehr zu entdecken. Wer auf lebendige Geschichten aus vergangenen Zeiten steht, wird hier definitiv fündig.
Klappentext
Der Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert, auch Regency genannt, ist geprägt von Ungerechtigkeit. Die Bevölkerung ist stark gewachsen, überall herrscht Armut. Gleichzeitig sind es vielleicht die letzten Jahre, in denen die Menschen gewisse Freiheiten genießen, bevor die strikten moralischen Regeln des Viktorianischen Zeitalters ihren Alltag bestimmen.
Mit Ian Mortimer reisen wir durch vier der aufregendsten und kulturell wichtigsten Jahrzehnte der britischen Geschichte – eine Zeit des Überschwangs, des Nervenkitzels und des unkontrollierten, schlechten Benehmens. Gleichzeitig war es eine Zeit des Umbruchs, die von einem beispiellosen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wandel geprägt war. Und wie alle Epochen der Geschichte war es ein Zeitalter vieler Widersprüche – immerhin konnte Beethovens donnernde fünfte Symphonie im selben Jahr uraufgeführt werden, in dem Jane Austen die feinfühligen Empfindsamkeiten von Überredung zu Papier brachte.