Was man bei Licht nicht sehen kann - Vergissmeinnicht, Band 1 (Ungekürzt)
Kritik
Man beginnt dieses Buch und spürt sofort, dass hier mehr wartet als eine gewöhnliche Liebesgeschichte – Kerstin Gier entführt in eine faszinierende Welt, die zwischen Fantasie und Realität filigran balanciert. Im Zentrum stehen Quinn, der smarte und coole Junge aus der Nachbarschaft, und Matilda, das Bücherwurm-Mädchen, das eigentlich so gar nicht in sein Leben passen will. Doch dann nimmt das Schicksal seinen Lauf: Quinn wird von unheimlichen Wesen verfolgt, erlebt Dinge jenseits der Vorstellungskraft und findet in Matilda nicht nur eine Verbündete, sondern jemand, der ihm vielleicht näherkommt, als er je gedacht hätte.
Die Handlung lebt von diesem spannenden Mix aus geheimnisvollen Mächten und einer zarten Liebesgeschichte, die beide Perspektiven ausleuchtet – ein Erzählelement, das ich hier wirklich gelungen finde. Kerstin Giers Erzählweise ist locker, mit einem feinen Humor gewürzt, der die düsteren Szenen wunderbar auflockert, ohne die Spannung zu mindern. Quinn besticht durch seinen selbstbewussten Charme, während Matilda mit ihrer Fantasie und Authentizität das Herz gewinnt. Die Figuren sind keineswegs klischeehaft, sondern mit Leben gefüllt, sodass man mit ihnen fiebert, lacht und auch mal den Kopf schüttelt.
Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Kombination aus moderner Jugend-Liebesgeschichte und einem Hauch von Mystery, der nie überfrachtet wirkt. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass sich manche Passagen hin und wieder etwas ziehen, was aber nicht wirklich nervt, weil der Erzählfluss meist geschmeidig bleibt. Auch hätte das Setting etwas mutiger und lebendiger sein können – die Magie bleibt stellenweise etwas zu vage und wird nicht immer komplett ausgeschöpft. Trotzdem – das bleibt auf einem sehr angenehmen und unterhaltsamen Niveau.
Wer also Lust auf eine moderne, frisch erzählte Fantasy-Romanze hat, die mit sympathischen Charakteren punktet und sich nicht zu ernst nimmt, ist hier genau richtig. Mit „Was man bei Licht nicht sehen kann“ bekommt man keine abgedrehte Fantasyschlacht, sondern eine Geschichte, die Herz und Kopf berührt und ein klein wenig neugierig macht auf mehr.
4 von 5 Sternen – ein klarer Treffer für alle, die gern in magische Welten abtauchen, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren.