Carl Tohrberg
Kritik
Manchmal sind es die unscheinbaren Momente, die im Herzen nachhallen – genau das gelingt Ferdinand von Schirach in „Carl Tohrberg“ mit einer überraschenden Leichtigkeit. Drei kurze Geschichten, die auf den ersten Blick einfach wirken, sich aber nach und nach als kleine Abgründe im Alltag entpuppen. Ob ein Berliner Bäcker, der plötzlich den perfekten Moment seines Lebens einfängt, oder ein pensionierter Richter, der mit ganz neuen Seiten des Gesetzes konfrontiert wird: Jede Figur bringt eine eigene, spannende Perspektive mit, die den Leser ganz ohne großes Drama in den Bann zieht.
Was ich besonders mochte, ist von Schirachs klare, schnörkellose Sprache, die nichts beschönigt, aber auch nicht überdramatisiert – damit fühlt sich alles echt an, nahbar und trotzdem tiefgründig. Christian Berkel als Sprecher rundet das Gesamtpaket akustisch perfekt ab, seine Stimme hat diesen typischen, beruhigenden Ton, der einen sofort mitnimmt. Einziger kleiner Wermutstropfen: Die Geschichten sind so kurz, dass man sich danach manchmal fast ein bisschen mehr gewünscht hätte, gerade wenn man mit den Charakteren warm geworden ist.
Wer also Lust auf feinfühlige, präzise erzählte Miniaturen mit Ecken und Kanten hat, die zum Nachdenken anregen, ohne zu beschweren, ist hier genau richtig. Ein Buch, das man nicht einfach weglegt, sondern gern noch ein bisschen im Kopf nachschmecken lässt.
Am Ende ein solides, tiefgründiges Vergnügen – dafür gebe ich 4 von 5 Sternen.
Klappentext
Ein Berliner Bäcker macht die beste Torte seines Lebens. Carl Tohrberg feiert Weihnachten. Der pensionierte Richter Seybold lernt die andere Seite des Gesetzes kennen. Drei meisterhaft erzählte Geschichten, in denen Ferdinand von Schirach von den Abgründen schreibt, die sich hinter scheinbar ganz alltäglichen Dingen auftun.
Enthält: "Der Bäcker", "Seybold", "Carl Tohrbergs Weihnachten".
Gelesen von Christian Berkel
(Laufzeit: 48 min)