Schandkreuz
Kritik
Schon das erste Aufeinandertreffen mit „Schandkreuz“ hat mich sofort gepackt – ein düsterer Fund, ein altes Geheimnis und eine ordentliche Portion Grusel, die sich durch jede Seite zieht. Helge Weichmann entführt uns nach Bodenheim bei Mainz, wo ein uraltes Hexengrab unter mysteriösen Umständen freigespült wird. Was zunächst nur nach archäologischer Sensation klingt, entpuppt sich schnell als Dunkelkammer menschlichen Grauens: Leichen, Bannzeichen, nächtliche Rituale und ein aktueller Mord, der das ganze Dorf in Angst versetzt.
Im Zentrum steht Tinne, die historisch brillante Kopf-akrobatin, deren Neugier und Mut sie in ernste Gefahr bringen. Weichmann schreibt angenehm unkompliziert, flott und ohne unnötigen Ballast – das macht das Lesen zum echten Vergnügen, auch wenn der Plot ins Makabre abdriftet. Besonders gefällt mir, wie gekonnt er historische Elemente mit einer spannenden Gegenwart verbindet, ohne dabei klischeehaft zu werden. Tinne ist dabei mehr als nur eine klassische Ermittlerin, ihre Zweifel und ihr Wissen geben der Geschichte glaubwürdige Tiefe.
Klar, ein bisschen mehr Tempo im Mittelteil hätte dem Buch nicht geschadet, manche Passagen ziehen sich etwas durch zu viele Details. Auch die allmähliche Eskalation der Bedrohung wirkt zwischendurch etwas vorhersehbar, was den Überraschungseffekt schmälern kann. Dennoch bleibt „Schandkreuz“ ein atmosphärisch dichter Thriller mit Herzensblut und einer Prise Mystik, der Fans von dunklen Geheimnissen definitiv fesseln wird.
Fazit: Wer Lust auf einen raffiniert erzählten Mix aus Geschichte, Spannung und Grusel hat, ist hier genau richtig. Helge Weichmanns „Schandkreuz“ lebt von seiner starken Hauptfigur und dem dichten Ambiente und schafft es, lange im Kopf zu bleiben.
4 von 5 Sternen – faszinierend, gruselig, aber mit Luft nach oben beim Tempo.