Verhängnisvolle Lügen an der Côte d'Azur. Der neunte Fall für Kommissar Duval
Kritik
Kaum hat man die ersten Seiten von „Verhängnisvolle Lügen an der Côte d'Azur“ aufgeschlagen, spürt man sofort diese Mischung aus Spannung und Melancholie, die diesem neunten Duval-Fall seinen besonderen Charakter verleiht. Da ist nicht nur ein Mord, sondern auch ein Schatten, der jahrzehntelang auf einem Unglück lastet – die Staudamm-Katastrophe von Malpasset. Das ist kein klassischer Krimi à la „Mörder hier!“ – hier geht es um komplexe Verstrickungen, düstere Geheimnisse und die feinen Risse im glanzvollen Bild der Côte d’Azur.
Kommissar Duval fühlt sich diesmal persönlich getroffen, denn der ermordete Richter Dussolier war nicht nur ein Kollege, sondern ein Freund aus alten Tagen. Die Beziehung der beiden bringt eine schöne emotionale Tiefe ins Spiel, die den Krimi mehr als nur ein Rätsel sein lässt. Man spürt die ganze Last, die Duval auf seinen Schultern trägt – das macht ihn sympathisch und authentisch, weit weg von der abgeklärten oder gar übermenschlichen Ermittlerfigur. Christine Cazon schreibt dabei sehr präzise, aber nie trocken. Ihr Stil ist flüssig, lebendig und schafft es, zwischen spannenden Passagen und Hintergrundinfos eine gute Balance zu halten.
Besonders klasse finde ich, wie vielschichtig die Handlung ist: Kein einfacher Fall, bei dem man sofort auf den Täter zeigt. Stattdessen gibt es Intrigen, Korruption und wirklich unangenehme Machtspielchen, die einen schon mal schlucken lassen. Einziger kleiner Haken: Manchmal geht’s ein bisschen zu sehr ins Detail der politischen und juristischen Verstrickungen, was das Tempo kurzzeitig etwas ausbremst. Aber hey, wer sich auf diesen Mix einlässt, bekommt einen spannenden und gleichzeitig nachdenklich stimmenden Krimi, der definitiv mehr will als nur Spannung liefern.
Für alle, die Lust haben auf einen anspruchsvollen Krimi mit Herz und Hirn, der zeigt, dass die Côte d’Azur nicht nur Sonne und Glamour zu bieten hat, ist Christine Cazons neuester Duval-Fall genau richtig – perfekt für gemütliche Lesestunden mit ein bisschen Nervenkitzel. Ich gebe 4 von 5 Sternen.