Der Brand
Kritik
Manchmal fühlt sich ein Buch an wie ein langes, vertrautes Gespräch – genau so hat mich „Der Brand“ von Daniela Krien erwischt. Rahel und Peter sind seit Jahrzehnten ein Paar, das im Alltag fest verankert scheint, doch unter der Oberfläche brodelt es längst. Die Geschichte fängt diesen schmalen Grat zwischen Gewohnheit und Verlust ein, während ein Sommerurlaub zum Prüfstein für ihre Liebe wird. Ganz ehrlich: Wer schon mal Zweifel gespürt hat, ob das, was war, noch reicht für das, was kommt, wird hier mehr als nur ein bisschen abgeholt.
Die Figuren sind kein bisschen glattgebügelt. Rahel und Peter wirken mit all ihren Macken, Zweifeln und kleinen Gesten so nahbar, dass ich oft dachte, ich könnte ihre Gespräche belauschen. Daniela Krien schreibt dabei so unaufgeregt und doch tiefgründig, dass sich das Buch leicht wegliest, ohne dabei oberflächlich zu sein. Das hat mir richtig gut gefallen – dieser feine Balanceakt macht das Buch zu einem echten Page-Turner für Leser:innen, die mehr wollen als bloße Unterhaltung.
Klar, manchmal hätte die Erzählung ein wenig flotter sein können – die ein oder andere Passage zieht sich durch die vielen Zwischentöne etwas hin. Aber das ist jammern auf hohem Niveau, denn genau diese Details geben der Geschichte ihre emotionale Tiefe und Authentizität.
Kurz gesagt: Wer Interesse an einer klugen, warmherzigen und zugleich ehrlichen Auseinandersetzung mit den kleinen und großen Fragen einer langjährigen Beziehung hat, ist bei „Der Brand“ goldrichtig. Ich vergebe 4 von 5 Sternen – ein Buch, das nachklingt und zum Nachdenken einlädt.