Wenn dir das hier gefiel …
Mängelexemplar
Key Facts
Kritik
Wer kennt das Gefühl nicht, wenn plötzlich alles ins Wanken gerät und der Boden unter den Füßen verschwindet? Genau da setzt Sarah Kuttner mit „Mängelexemplar“ an – ein Buch, das nicht nur das Auf und Ab unserer modernen Nervosität einfängt, sondern mit einer Mischung aus scharfem Humor und roher Ehrlichkeit punktet.
Karo, die Protagonistin, ist eine dieser Charaktere, die man sofort ins Herz schließt: klug, selbstironisch, aber eben auch verletzlich und voller Zweifel. Ihre Welt gerät aus den Fugen, als Jobverlust, zerplatzte Freundschaften und eine scheiternde Beziehung sie zwingen, sich mit einer Depression auseinanderzusetzen, die nicht auf die leichte Schulter genommen werden will. Die Art, wie Kuttner diese Gefühlswelt beschreibt – mitten ins Herz und ohne jeglichen Schnickschnack – macht das Buch so authentisch und nahbar. Man fühlt sich manchmal selbst ertappt, manchmal verstanden und gelegentlich sogar zum Lachen gebracht, obwohl das Thema alles andere als leicht ist.
Der Schreibstil? Locker, fast so, als würde Karo dir bei einem Kaffee ihre ganz persönliche Geschichte erzählen. Es gibt diese Mischung aus sarkastischer Würze und tiefgründigen Momenten, die das Lesen echt spannend machen. Hier wird nicht verhüllt, aber auch nicht sentimental ausgeschlachtet – sondern ganz ehrlich und direkt. Das macht „Mängelexemplar“ besonders.
Natürlich ist das Buch nichts für jene, die schnelle und leichte Kost suchen. Wer sich aber auf dieses ehrliche, reflektierende Porträt einer jungen Frau einlässt, die gegen ihre inneren Dämonen kämpft, bekommt eine Geschichte, die einen nachhaltig berührt. Ein kleiner Minuspunkt: Manche Passagen ziehen sich etwas, besonders wenn die inneren Monologe sehr ausschweifend werden – aber hey, das gehört zur ehrlichen Auseinandersetzung dazu.
Unterm Strich ist „Mängelexemplar“ ein mutiges, faszinierendes Buch, das zeigt, wie komplex und widersprüchlich das Leben (und die Psyche) heute sein können. Sarah Kuttner trifft mit jeder Seite mitten ins Schwarze – und ja, man kann sich da wirklich fallen lassen. Eine klare Leseempfehlung für alle, die keine Angst vor echten Gefühlen haben.
4,5 von 5 Sternen.
Klappentext
Karo lebt schnell und flexibel. Sie ist das Musterexemplar unserer Zeit: intelligent, selbstironisch und liebenswert. Als sie ihren Job verliert, ein paar falsche Freunde aussortiert und mutig ihre feige Beziehung beendet, verliert sie auf einmal den Boden unter den Füßen. Plötzlich ist die Angst da. Als auch die cleversten Selbsttäuschungen nicht mehr helfen, tritt sie verzweifelt und mit wütendem Humor ihrer Depression entgegen.
Dem Wahnwitz unserer Gegenwart gibt Sarah Kuttner eine Stimme. Lustig und tieftraurig, radikal und leidenschaftlich erzählt sie von dem der Verlorenheit, die manches Leben heute aushalten muss.