Das Gegenteil von Erfolg
Kritik
Manchmal fühlt man sich beim Lesen wie eine stille Beobachterin, die zugleich bei einer herzlichen, aber auch chaotischen Familien- und Freundesrunde dabei ist – genau dieses Gefühl vermittelt „Das Gegenteil von Erfolg“ von Eleanor Elliott Thomas auf perfekte Weise. Lorrie Hope, die Hauptfigur, jongliert mit Job, Kindern und Beziehung, als wäre ihr Leben einer dieser wilden Zirkusakte, bei denen man eigentlich keinen Fehler machen darf, sie aber irgendwie immer wieder schafft. Und dann ist da noch Alex, Lorries beste Freundin, deren Leben ebenfalls für reichlich Verwicklungen sorgt – besonders, wenn alte Partner ins Spiel kommen und das berufliche Umfeld plötzlich persönlicher wird als geplant.
Die Handlung entschleunigt nie so richtig, was mir besonders gut gefallen hat, weil das Tempo einfach zum Leben passt, das Lorrie da meistert – oder versucht zu meistern. Man bekommt ganze Einblicke in die moderne Arbeitswelt, in den Druck, zu funktionieren, während das private Chaos parallel wächst. Dennoch verliert Eleanor Elliott Thomas nie den warmherzigen Ton, der diese Geschichte so nahbar macht. Der Humor ist erfrischend direkt und ehrlich, ohne albern zu wirken; die Figuren sind keine Superhelden, sondern Menschen mit Macken, Hoffnungen und gelegentlichen Fehltritten, die man sofort ins Herz schließt.
Was die Autorin besonders gut schafft, ist das Bild einer starken – aber eben auch sehr normalen – Frau zu zeichnen, die an der Schwelle zwischen Verantwortung und Selbstverlust steht. Man fiebert mit, lacht über die absurden Situationen und denkt zwischendrin auch mal: „Puh, so geht’s ja echt vielen von uns.“ Dass die Story nicht nur witzig, sondern auch ziemlich klug und gesellschaftskritisch ist, macht das Ganze noch viel spannender.
Kleiner Wermutstropfen: Manche Momente ziehen sich ein bisschen, weil das „Hamsterrad“-Gefühl ungefiltert wiedergegeben wird und man mitunter fast zu sehr in der Routine gefangen ist. Aber wahrscheinlich ist das genau der Punkt, um den es geht – wer liest, will ja auch spüren, wie anstrengend das Leben manchmal ist.
Alles in allem ist „Das Gegenteil von Erfolg“ eine warmherzige, lustige und ehrliche Geschichte für alle, die sich selbst und ihren Alltag nicht immer perfekt im Griff haben (also die meisten von uns). Ein Buch, das zeigt, dass Scheitern auch Mut bedeutet und dass das echte Leben eben nicht immer glatt läuft.
Ganz klar: 4 von 5 Sternen. Wer sich für kluge, humorvolle und lebensnahe Romane interessiert, sollte hier unbedingt reinschauen.