Der Tote auf dem Kniepsand: Die Inselkommissarin, Band 13
Kritik
Manchmal zieht einen eine Geschichte sofort in ihren Bann – so ging es mir mit „Der Tote auf dem Kniepsand“. Kaum aufgeschlagen, spürt man die rauen Winde Amrums und die Spannung liegt förmlich in der salzigen Luft. Die 13. Folge rund um Hauptkommissarin Lena Lorenzen bringt nicht nur frische Brise in die Reihe, sondern auch ordentlich Nervenkitzel.
Der Tote Dennis Claasen wird am Kniepsand gefunden, und schnell scheint sein mysteriöser Tod mit den Drogenschmuggelpaketen zusammenzuhängen, die wie ungeladene Gäste an den Stränden der Nordfriesischen Inseln gelandet sind. Lena kehrt zurück auf ihre Heimatinsel – was immer wieder reizvolle Einblicke in familiäre Verstrickungen und lokale Geheimnisse bietet. Zusammen mit Kollegin Naya Olsen taucht sie tief in den familiären Zwist und finanzielle Nöte ein, fragt sich, wie weit Dennis in das kriminelle Netz verstrickt war. Und als es dann im Haus des Opfers brenzlig wird, ist die Luft zum Schneiden dünn.
Was mir besonders gefällt, ist Johannsens feiner Umgang mit den Charakteren. Lena ist kein glattgebügelter Ermittler, sie wirkt authentisch, mit Ecken und Kanten, was den sonstigen Genre-Einheitsbrei angenehm auflockert. Der Schreibstil ist flüssig und atmosphärisch, ohne sich in zu vielen Details zu verlieren – genau die richtige Mischung, um dran zu bleiben, ohne überfordert zu werden. Ein bisschen Spannung, etwas Insel-Feeling und eine Prise zwischenmenschliches Drama sorgen für ein rundes Leseerlebnis.
Kritisch gesehen, hätte ich mir manchmal etwas mehr Überraschung in der Handlung gewünscht – das Grundgerüst folgt bekannten Mustern. Auch das Tempo schwankt gelegentlich, was den Lesefluss minimal beeinträchtigt. Aber all das trübt die Freude nur wenig, besonders für Fans norddeutscher Krimis und solche, die sich gerne in kleinen, feinen Reihen verlieren.
Kurz gesagt: Wer Lust auf eine unaufgeregte, aber spannende Krimistory mit sympathischer Ermittlerin und angenehmem Lokalkolorit hat, liegt bei „Der Tote auf dem Kniepsand“ genau richtig. Ein solider, unterhaltsamer Inselkrimi, der sich locker neben dem Strandkorb lesen lässt.
4 von 5 Sternen.