Sommerfeldt Solo. Der Auftrag (Band 1, ungekürzt)
Kritik
Kaum habe ich in die ungekürzte Autorenlesung von „Sommerfeldt Solo. Der Auftrag“ reingehört, war ich sofort mittendrin in einem düsteren Krimi, der Ostfriesland von einer ganz neuen, spannungsgeladenen Seite zeigt. Dr. Bernhard Sommerfeldt – typischer Ermittler mit Ecken und Kanten – ist nach den Ereignissen auf Borkum ganz schön angeschlagen, aber jetzt geht es ans Eingemachte: Das organisierte Verbrechen ist seinen Worten nach keineswegs zu unterschätzen, vor allem wenn der mysteriöse „Brasilianer“ ins Spiel kommt. Spannung mit Lokalkolorit, die sich locker weghört.
Die Dynamik zwischen Sommerfeldt und Hauptkommissar Rupert ist ein echtes Highlight: Zwei unterschiedliche Charaktere, die ihre Vergangenheit und Geheimnisse mitbringen und trotzdem gemeinsam gegen die Unterwelt kämpfen. Klaus-Peter Wolfs Erzählstil ist dabei angenehm unaufgeregt, aber voller feiner, atmosphärischer Momente – man spürt richtig den Wind hinter den Dünen und die rauen Wellen der Nordsee. Die Lesung selbst, vom Autor gesprochen, verleiht dem Ganzen eine persönliche und authentische Note, die man nicht alle Tage hat.
Natürlich gibt es auch kleine Schwächen: Gegen Ende zieht sich die Handlung streckenweise ein bisschen, und wer auf rasante Action hofft, wird eher mit subtiler Spannung belohnt. Manchmal hätte ich mir noch mehr Einblick in die Gedanken der Figuren gewünscht, damit die Emotionalität noch greifbarer wird. Das trübt den Hörgenuss aber kaum, denn die Story bleibt stimmig und glaubwürdig.
Kurz gesagt: Für alle, die Lust auf einen atmosphärischen, intelligenten Thriller mit regionalem Flair haben und keinen 08/15-Krimi erwarten, ist „Sommerfeldt Solo. Der Auftrag“ eine klare Empfehlung. Der Mix aus Charaktertiefe, Spannung und Wolfs kultiviertem Ton macht Spaß – quasi ein großartiger Einstieg in eine Reihe, die man im Auge behalten sollte.
3,5 von 5 Sternen – empfehlenswert für Fans von Nordsee-Krimis mit Charakter.