Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
Kritik
Schon gleich zu Beginn packt „Die Nacht“ einen, als würde man mitten in einen dunklen Wald hineingezogen – Atmosphärisch dicht und mit einem Puls, der das Herz schneller schlagen lässt. Marc Raabe setzt Art Mayer, unseren Ermittler mit Ecken und Kanten, in die wohl persönlichste und zugleich finsterste Mission seiner Karriere: Die Suche nach Dana Karasch – einer Frau, die aus dem Leben verschwunden ist, und deren Geheimnisse alles andere als harmlos sind.
Inhaltlich stecken wir mit Art und seiner Kollegin Nele Tschaikowski bis zum Hals im Mysterium. Was als Vermisstenfall beginnt, verwandelt sich bald in eine bestürzende Spurensuche, die nicht nur die Opfer, sondern auch die Ermittler an ihre Grenzen bringt. Mit der Entdeckung der grausamen Leiche eines einflussreichen Richters auf einer abgelegenen Wohnwagensiedlung, die wie ein düsterer Rückzugsort wirkt, zieht Raabe die Spannung so geschickt an, dass man das Buch kaum aus der Hand legen will.
Die Figuren verblüffen mit Tiefe und Authentizität: Art Mayer wirkt verletzlich, doch kompromisslos, sein innerer Zwiespalt ist greifbar. Nele ergänzt ihn nicht nur professionell, sondern sorgt mit ihrer ruhigen, kompetenten Art für eine perfekte Balance. Marc Raabes Schreibstil ist unkompliziert, mit einem flüssigen Erzähltempo, das immer wieder von überraschenden Wendungen und bildhaften Szenen unterbrochen wird – das macht das Lesen zum echten Erlebnis.
Kleine Schwäche: Manche Nebenstränge hätten etwas straffer erzählt werden können, manchmal verliert sich die Handlung kurz in Details, die nicht ganz notwendig sind. Trotzdem wird man nie richtig aus dem Leseflow gerissen.
Alles in allem ist „Die Nacht“ genau das richtige Buch für alle, die auf spannende Krimis stehen, die nicht nur durch Plot, sondern auch durch Charaktere überzeugen. Wer tief in menschliche Abgründe eintauchen will, ohne sich an zu viel Blut oder Horror zu stören, ist hier bestens aufgehoben.
4 von 5 Sternen – ein packender, cleverer Crime-Thriller mit Herz und Verstand, der Lust auf mehr macht.