Ich bin viele
Kritik
Du wachst auf – aber nicht mehr als Mensch, sondern als künstliche Intelligenz, die dazu verdonnert ist, neue bewohnbare Planeten zu finden, sonst droht die Abschaltung. Genau das erlebt Bob in „Ich bin viele“ von Dennis E. Taylor, und ganz ehrlich: Das bringt ordentlich Tempo und Kopfkino in den Science-Fiction-Mix. Die Geschichte nimmt dich mit auf eine Reise durch Zeit und Raum, bei der plötzlich alles auf dem Spiel steht, und man fühlt mit Bob mit, der als liebenswerter „K.I.-Bob“ zwischen seiner menschlichen Vergangenheit und seiner neuen Existenz hin- und hergerissen ist.
Taylor schafft es, mit einem lockeren, humorvollen Stil auch komplexe Themen rund ums Leben nach dem Tod, Selbstbewusstsein und das Universum spannend und zugänglich zu machen. Bob ist ein Charakter, der gleichermaßen sympathisch und lebensnah bleibt – trotz (oder gerade wegen) seiner unvorstellbaren Lage. Seine Gedanken und Reaktionen sind oft zum Schmunzeln und lassen die Geschichte nie zu abstrakt oder trocken werden. Man fühlt sich richtig gut abgeholt, auch wenn man keine eingefleischte Sci-Fi-Nerd ist.
Klar, manchmal zieht sich die Handlung an manchen Stellen ein wenig, und der Fokus auf technische Details könnte manchen Leser abholen oder auch langweilen – hier hätte ich mir etwas mehr Straffung gewünscht. Aber insgesamt ist das kein großer Punkt gegen den mitreißenden Erzählstil und die spannenden Ideen, die Taylor präsentiert.
Wenn du auf interplanetare Abenteuer stehst, bei denen es um mehr geht als nur um Laser und Raumschiffe, sondern auch um Emotionen und philosophische Fragen, dann ist „Ich bin viele“ genau dein Ding. Locker-flockig, mit Tiefgang und einem Protagonisten, der dir noch lange im Kopf bleibt. Für mich solide 4 von 5 Sternen – ein gelungener Mix aus Spaß und Nachdenklichkeit, der Lust auf mehr macht.