Commissaire Cluzet und der Klang des Todes - Commissaire Cluzet, Folge 8 (Ungekürzt)
Kritik
Manchmal will man einfach nur ein Buch, das einen sauber aus dem Alltag holt – und genau das schafft „Commissaire Cluzet und der Klang des Todes“ im Handumdrehen. Sobald die Polizistin Sandrine Saidi zu ihrem vermeintlich entspannten Chorwochenende in der alten Abtei Saint-Cécile ankommt, wittert man schon fast, dass hier nichts so friedlich bleiben wird. Und ja, prompt findet man den Mäzen Antoine Mercier tot im Kreuzgang, ein Schlag, der nicht nur die Beteiligten erschüttert, sondern auch den perfekten Startschuss für fesselnde Detektivarbeit bedeutet.
Das Ermittler-Duo Cluzet und Saidi ist wieder ein echter Gewinn: Cluzet, der zurückgezogen lebende Commissaire, strahlt trotz Ruhestand viel Charme und Lebenserfahrung aus, während Saidi mit ihrem frischen Drive und cleverem Kopf das Ermittlerteam ergänzt. Besonders schön ist, wie die Figuren nicht als reine Crime-Maschinen funktionieren, sondern mit Ecken und Kanten daherkommen, sodass man fast das Gefühl hat, selbst mit im Gartenhäuschen oder beim Calvados-Treff dabei zu sein.
Alexandre Dupont schreibt unaufgeregt, aber immer bildhaft genug, um Atmosphäre herzustellen. Die Spannung schleicht sich behutsam ein und steigert sich mit jedem Kapitel – ein bisschen so, als würde man einer Melodie lauschen, die erst ganz harmlos startet und dann mit unverhofften Tönen überrascht. Dabei passt der Titel wirklich gut, denn die Story bleibt stets gut abgestimmt, ohne in Kitsch oder Overacting abzudriften.
Klar, manchmal zieht die Handlung ein wenig in die Länge, oder ein paar Wendungen fühlen sich etwas zu konstruiert an – das geht vielleicht ein Touch zu sehr in Richtung altbewährtes Krimi-Muster. Aber eben nicht so sehr, dass es den Lesespaß trübt.
Wer auf ruhige, atmosphärische Krimis steht, bei denen die Charaktere und die Orte mindestens genauso spannend sind wie der Fall, darf hier gerne zugreifen. Es ist kein Hochgeschwindigkeits-Thriller, aber ein solides, gut erzähltes Krimi-Erlebnis mit einer Prise sympathischem Lokalkolorit.
4 von 5 Sternen – für ein entspannt-melancholisches Krimivergnügen mit Herz und Bodenhaftung.