Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte (Gekürzt)
Kritik
Manchmal sind es die Geschichten, die sich ganz unaufgeregt ausbreiten und einen gleichzeitig warm ums Herz werden lassen – genau so fühlt sich „Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte“ von Rafik Schami an. Dieses Hörbuch ist wie eine Einladung in eine Welt, in der Erzählen noch echtes Handwerk ist, gewürzt mit einer guten Portion Humor und Lebenserfahrung.
Rafik Schami nimmt uns mit auf eine Reise zurück in seine Kindheit in Damaskus, wo das Erzählen von Geschichten kein bloßes Zeitvertreib war, sondern eine Kunstform, die Menschen zusammenbrachte. Dabei steht nicht nur das Märchenerzählen im Fokus, sondern vor allem auch sein ganz persönlicher Blick auf Familie, Traditionen und die faszinierende Kulturlandschaft seiner Heimat. Die Figuren – allen voran seine Eltern und sein Großvater – werden liebevoll und lebendig porträtiert, sodass man sie fast neben sich sitzen sieht und ihren schelmischen Worten lauscht.
Was ich besonders geschätzt habe: Schamis Erzählstil ist frisch und unverkrampft, fast als würde man im Café neben ihm sitzen und ihm beim Plaudern zuhören. Er will nicht belehren, sondern unterhalten – und das gelingt ihm hervorragend. Die Mischung aus lebhaften Anekdoten, zarten Erinnerungen und einem Augenzwinkern macht das Hören zu einem echten Genuss.
Ein kleiner Kritikpunkt: Die gekürzte Fassung lässt hier und da vielleicht etwas Tiefe vermissen, besonders bei manchen Erzählsträngen, die durchaus mehr Raum verdient hätten. Doch gerade die Kürze macht das Hörbuch auch ideal für zwischendurch, ohne sich zu sehr in Details zu verlieren.
Wer auf Geschichten steht, die Herz und Humor vereinen, und gerne in eine fremde Kultur eintaucht, ohne sich belehrt zu fühlen, liegt hier genau richtig. Ein kurzweiliger Erzählausflug, der lange nachhallt.
4 von 5 Sternen – charmant, lebendig und absolut hörenswert.