Die Farbe der Worte (Ungekürzt)
Kritik
Kaum hat man das Hörbuch gestartet, fühlt man sich wie eingeladen zu einem bunten Fest voller Geschichten, die Herz und Hirn sanft gleichzeitig berühren. Rafik Schami nimmt uns mit auf eine Reise durch Lebenswelten, die so farbig sind wie der Titel verspricht – und dabei leichtfüßig und voller Schalk erzählt.
In „Die Farbe der Worte“ erwartet uns kein klassischer Roman mit durchgängigem Plot, sondern 34 Miniaturen, die kleine Augenblicke, skurrile Begegnungen oder große Sehnsüchte einfangen. Die Figuren sind dabei liebevoll gezeichnet, manchmal charmant eigenwillig, oft gerade dadurch sehr lebendig. Man spürt die Wärme und den Humor zwischen den Zeilen, die den Geschichten eine besondere Leichtigkeit geben – als ob man mit einem augenzwinkernden Freund im Café sitzt und sich die Zeit mit Anekdoten vertreibt.
Schamis Sprache ist dabei eine wahre Freude: klar, flüssig, mit einem feinen Gespür für Pointen, die nicht aufgesetzt, sondern natürlich wirken. Manchmal musste ich schmunzeln, manchmal war ich ganz still – und immer neugierig auf das, was als nächstes kommt. Das Ungekürzte Hörbuch macht es einfach, sich treiben zu lassen, ohne das Gefühl zu haben, zwischen den Erzählungen den Faden zu verlieren.
Natürlich ist dieses „Miniaturen-Mosaik“ nicht für alle das Richtige. Wer auf einen durchgehenden Spannungsbogen hofft, dürfte etwas enttäuscht sein. Auch ein bisschen mehr Tiefgang in einzelnen Geschichten hätte ich mir hier und da gewünscht, doch das ist Jammern auf hohem Niveau – denn genau die Leichtigkeit und Vielfalt machen den Charme des Werks aus.
Am Ende bleibt das Gefühl, mit einem sanften Lächeln auf den Lippen und einem neugierigen Blick aufs Leben zurückgelassen zu werden. Wer sich für Geschichten interessiert, die mit viel Herz, Humor und einer Prise Lebensweisheit erzählt sind, macht mit „Die Farbe der Worte“ definitiv nichts verkehrt.
4 von 5 Sternen – ein warmherziger Ohrenschmaus, der Lust auf mehr Geschichten macht.