Leonard und Paul
Kritik
Manchmal sind es die leisen Geschichten, die einem ganz unvermittelt ans Herz wachsen – genau das passiert bei „Leonard und Paul“ von Ronan Hession. Hier trifft zurückhaltende Freundschaft auf das leise Aufbegehren gegen das Alltägliche, und das in einer so warmherzigen, unaufgeregten Art, die in der heutigen Buchwelt fast schon einschmeichelnd bestechend wirkt.
Im Mittelpunkt stehen Leonard, ein Ghostwriter für Kinderenzyklopädien, und Paul, ein Aushilfspostbote – zwei Männer, deren Leben in ruhigen Bahnen verläuft, bis kleine Wendungen plötzlich alles auf den Kopf stellen. Ohne großes Drama, aber mit viel Fingerspitzengefühl erzählt Hession eine Geschichte über das, was im Leben oft übersehen wird: Freundlichkeit, Sanftmut und eine bodenständige Bescheidenheit. Man bekommt fast das Gefühl, einen Spaziergang auf einer schmalen Landstraße zu machen, fernab von Trubel und Dauerrauschen.
Die Figuren sind so authentisch und nahbar, dass man ihnen am liebsten beim Alltag zuschauen möchte. Leonard und Paul sind keine Helden im klassischen Sinne, sondern Menschen, die gerade durch ihre Zurückhaltung und ihr leises Wesen berühren. Der Schreibstil ist klar, mit einer Prise feinem Humor durchzogen und ohne unnötigen Schnickschnack – angenehm unaufdringlich und dennoch sehr eindringlich.
Klar, wer auf actionreiche Plots oder dramatische Überraschungen steht, wird hier weniger bedient. Manchmal wünscht man sich, dass die Handlung etwas mehr Fahrt aufnehmen würde, aber gerade das gemächliche Tempo macht den Charme des Buches ja aus. Es ist mehr ein sanftes Rütteln an unseren modernen Erwartungen als ein lauter Knall.
Wer Lust auf eine warmherzige Geschichte über Freundschaft und das kleine Glück im Alltag hat, dem sei „Leonard und Paul“ unbedingt ans Herz gelegt. Ein Buch für alle, die gerne innehalten, durchatmen und sich an den unscheinbaren Schönheiten des Lebens erfreuen wollen.
4 von 5 Sternen – ein ruhiger Glücksgriff für alle, die leise Töne schätzen.