Sommerhimmel über dem Möwenhof (Ungekürzt)
Kritik
Kaum die ersten Seiten aufgeschlagen, fühlt man sich sofort wie an diesem windumtosten, gemütlichen Fleck an der Nordseeküste – genau der richtige Ort, um einfach mal durchzuatmen und den Sommer tief zu genießen. „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ erzählt die Geschichte von Maren, die mit ihren Kindern einen Neuanfang wagt, als sie zurück zu ihrer Familie aufs Land zieht. Dort betreibt man ein charmantes Bed & Breakfast, das ihr Herzstück wird. Natürlich kommt die Liebe nicht zu kurz: Henning, der bodenständige Bootsbauer, bringt ordentlich Herzklopfen ins Spiel – und genauso ordentlich Drama, als der Möwenhof plötzlich unter Verkaufsdruck gerät.
Frida Jacobsens Figuren sind warmherzig und nahbar, ganz ohne Kitsch. Maren wirkt authentisch, man spürt ihre Unsicherheiten und Hoffnungen ganz unmittelbar. Henning ist der sympathische Gegenpol, bei dem man am liebsten selbst mal in eine Decke eingekuschelt am Hafen sitzen will. Besonders gelungen finde ich den Erzählstil: locker und flüssig, dabei detailreich genug, um die nordische Stimmung einzufangen, ohne die Leser:innen mit langatmigen Beschreibungen zu langweilen. Die Balance zwischen Familiendramen, Liebesgeschichte und der Liebe zur Heimat stimmt einfach.
Ein kleiner Wermutstropfen: Das Tempo könnte hier und da etwas flotter sein – die Geschichte nimmt sich durchaus Zeit, was manche Leser:innen als zu gemächlich empfinden könnten. Dennoch stört es den Lesefluss kaum, weil man viel in die Figuren investiert hat und mit ihnen bangen und hoffen will.
Kurz gesagt: Wer Lust auf einen sommerlichen Wohlfühlroman hat, der mit Gefühl, einer Prise Spannung und einer Prise nordischer Frische punktet, ist bei „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ absolut richtig. Für alle, die bei Cozy Reads gerne tief in Familiengeschichten und sanfte Romanzen eintauchen, ein klares Ja!
4 von 5 Sternen – Sonnenschein für die Seele, der etwas mehr Wind gebrauchen könnte.