Der Thron der Lilie
Kritik
Schon nach wenigen Kapiteln fühlt man sich mitten hineinversetzt in ein wildes Netz aus Macht, Loyalität und uralten Versprechen – „Der Thron der Lilie“ entführt dich in eine Zeit, in der jeder Schritt über Leben und Tod entscheiden kann. Daniel Wolf schafft es spielerisch, den französischen Machtkampf von 1297 mit ganz persönlichen Schicksalen zu verweben, die einen sofort packen.
Im Zentrum stehen der Ritter Constantin, die mutige Mélisande und der geheimnisvolle Templer Gérard – Figuren, die nicht nur historisch glaubwürdig sind, sondern auch richtig Ecken und Kanten haben. Besonders Mélisande, mit ihrer rebellischen Art, bringt frischen Wind in die mittelalterliche Szenerie, während Constantin mit seinem inneren Kampf wirklich Tiefe bekommt. Der Schreibstil von Wolf ist dabei angenehm lebendig und flüssig, er erzählt so, dass man kaum merkt, wie die Stunden verfliegen. Das ruhige, detailreiche Erzähltempo lässt Raum für Atmosphäre und Charakterentwicklung, was ich sehr genossen habe.
Positiv hervorheben muss ich zum Beispiel die verzwickten menschlichen Beziehungen, die unaufdringlich, aber wirksam Spannung erzeugen. Dazu kommen die grandiosen Schilderungen der damaligen Zeit – man spürt förmlich den Staub auf den Straßen und die Schwere der Entscheidungen. Weniger überzeugt hat mich bisweilen der etwas vorhersehbare Verlauf mancher Handlungselemente. Das kann ein kleiner Stolperstein sein, wenn man schon viele Historienromane liest. Auch die Länge des Buches verlangt etwas Durchhaltevermögen, nicht jeder Moment ist ein Volltreffer in Sachen Spannung.
Wer Lust hat auf eine tiefgründige, dabei aber nicht zu schwere Reise ins mittelalterliche Frankreich, bei der historische Fakten und emotionales Drama Hand in Hand gehen, ist hier genau richtig. Fans von vielschichtigen Figuren und authentischen Settings kommen voll auf ihre Kosten.
Mein Fazit: Ein packendes, stimmungsvolles Buch mit kleinen Schwächen, das vor allem Liebhaber historischer Geschichten begeistert. 4 von 5 Sternen.
Klappentext
Frankreich 1297. Während der Papst und der französische König einen erbitterten Machtkampf austragen, werden der Ritter Constantin Fleury, die Goliardin Mélisande und der Templer Gérard d’Acre von den Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt. Feinde Constantins entführen Mélisande und seine schwangere Frau Agnès. Für die beiden Frauen beginnt ein Kampf ums Überleben. Um sie zu retten, muss Constantin sich hoch verschulden. Sein Freund Gérard, der sich auf einer heiklen Mission für den Templerorden befindet, hilft ihm, das Lösegeld nach Flandern zu bringen. Die rebellische Grafschaft taumelt am Rande eines Krieges, der Kronvasall Constantin gilt den Aufständischen als Todfeind. Auf der gefahrvollen Reise wird Gérard zudem mit alten Sünden konfrontiert und droht, an seiner Schuld zu zerbrechen …
leicht gekürzte Lesung mit Johannes Steck
18h 49min