Zwischen Tüll & Kartoffeln wächst manchmal Liebe
Kritik
Manchmal braucht es eben einen ordentlichen Tapetenwechsel – und genau den liefert Svenja Lassen in „Zwischen Tüll & Kartoffeln wächst manchmal Liebe“ auf charmante Art. Lene, eine waschechte Großstadtpflanze aus Hamburg, wird aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen und steckt plötzlich mitten im beschaulichen Nordfriesland fest. Ihre Mission? Ein Brautmodengeschäft eröffnen, obwohl ihr hektisches Stadtleben und der verschlafene Dorfcharme zunächst so gar nicht zusammenpassen wollen.
Die Handlung ist eine wunderbare Mischung aus humorvollen Momenten und zarten Gefühlen, die sich nach und nach einschleichen. Lene ist herrlich nahbar – eine Frau, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ihren Traum zu verwirklichen, dabei aber mit unvorhersehbaren Herausforderungen kämpfen muss. Tobi, der urige Landbewohner, der ihr das Leben mit lautem Traktorgeknatter erschwert, wird schnell zur reizvollen Gegenspielerfigur. Der Schlagabtausch zwischen den beiden entwickelt sich auf so lebendige Weise, dass man einfach mitfiebert, ohne dass es kitschig wird.
Svenja Lassens Schreibstil ist federleicht und erfrischend, genau richtig, wenn man Lust auf eine romantische Geschichte hat, die nicht nur Herzklopfen auslöst, sondern auch für den ein oder anderen Lacher sorgt. Die Autorin schafft es, die Nordseeküste als malerische Kulisse so einzufangen, dass man beim Lesen fast die salzige Brise spürt. Was mir besonders gefällt: Hier werden Klischees bewusst gespielt, aber nicht blind bedient, was das Ganze angenehm modern und sympathisch macht.
Kritik? Ja, die typisch vorhersehbaren Wendungen hätten ein bisschen mutiger sein dürfen – und manchmal schleichen sich kleine Logikknackser ein, die den Lesefluss kurz stocken lassen. Aber das trübt den Spaß nur minimal, denn die Geschichte lebt vor allem von ihren Charakteren und dem warmherzigen Ton.
Für alle, die eine lockere, humorvolle Liebesgeschichte suchen, bei der es nicht nur um das Verlieben geht, sondern auch um das Finden von sich selbst – und wer schon immer mal wissen wollte, wie es so ist, wenn die Großstadtpflanze auf’s Land zieht – ist hier genau richtig. Ein Wohlfühlroman mit Ecken und Kanten, der sich flott liest und gute Laune macht.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen. Ein rundum schönes Buch für zwischendurch, das Lust auf Meer und neue Anfänge macht.