Der Mörder am Half Moon Gate - Ein Fall für Wrexford and Sloane, Band 2 (Ungekürzt)
Kritik
Manchmal braucht es einfach einen historischen Krimi, der mit Charme, Spannung und einer Prise britischem Zynismus punktet – und genau das liefert Andrea Penrose mit „Der Mörder am Half Moon Gate“. Das London des 19. Jahrhunderts zeigt sich hier düsterer denn je, voller Geheimnisse, dampfbetriebener Erfindungen und tödlicher Intrigen.
Im Fokus stehen Lord Wrexford, ein Wissenschaftler mit klaren Prinzipien, und Charlotte Sloane, eine kluge, scharfzüngige Illustratorin, die unter einem Pseudonym politische Karikaturen veröffentlicht. Dieses Duo schafft eine wunderbare Dynamik: Während Wrexford mit der Logik des Verstandes ermittelt, bringt Charlotte ihre unkonventionellen Methoden und ihr Netzwerk von Informanten ins Spiel. Ihre Zusammenarbeit ist das Herzstück der Geschichte und macht große Freude beim Lesen.
Die Handlung dreht sich um den mysteriösen Mord an einem genialen Erfinder, dessen wertvolle Pläne für eine neue dampfgetriebene Maschine spurlos verschwunden sind. Ohne zu viel zu verraten: Das Buch nimmt einen spannenden Verlauf, bei dem jede Ecke Londons ihren dunklen Schatten wirft und man sich nie ganz sicher sein kann, wem man trauen kann. Andrea Penrose schafft es dabei, historisches Flair mit einem modernen Erzähltempo zu verbinden, das für kurzweilige Unterhaltung sorgt.
Der Schreibstil ist dabei angenehm frisch und lebendig, ohne sich in überflüssigen Details zu verlieren. Die Figuren wirken real, ihre Motive und Schwächen machen sie greifbar – vor allem Charlotte mit ihrem beißenden Humor sorgt für einige leicht ironische Momente, die mir sehr gefallen haben.
Klar, bei mancher Wendung merkt man den historischen Krimi-Klassiker heraus – wer hier auf viel Nervenkitzel oder außergewöhnlich überraschende Plot-Twists hofft, könnte etwas mehr erwarten. Doch die Atmosphäre und die gut ausgearbeiteten Charaktere machen vieles wieder wett.
Kurzum: Wer Lust auf einen gut erzählten, atmosphärischen Krimi mit einem sympathischen Ermittler-Duo in einem romantisch-düsteren London hat, ist mit dieser Fortsetzung bestens bedient. Ein perfektes Buch für gemütliche Lesestunden mit einer Tasse Tee.
4 von 5 Sternen – solide, spannend, sympathisch. Empfehlenswert für Fans von historischen Krimis mit Charakter und Witz.