Wie die Saat, so die Ernte
Key Facts
Kritik
Manchmal öffnet man ein Buch und fühlt sich gleich in eine kalte Novembernacht katapultiert – genau so startete meine Begegnung mit „Wie die Saat, so die Ernte“. Commissario Brunetti wird mitten in der Dunkelheit gerufen, eine Hand ragt aus dem Kanal – ein Bild, das einem nicht so schnell aus dem Kopf geht. Die Geschichte verwebt geschickt die düstere Gegenwart mit Brunettis eigener Vergangenheit und bringt dabei ein Italien zum Vorschein, das nicht nur von Schönwetteridyllen geprägt ist.
Die Figuren sind wie immer bei Donna Leon & Werner Schmitz lebendig gezeichnet, allen voran Brunetti, dessen Charakter mit jeder Seite an Tiefe gewinnt. Man merkt, dass die Autoren ihr Handwerk verstehen: Der Schreibstil fließt locker, sodass sich spannende Ermittlungen mit nachdenklicher Melancholie verbinden. Es fühlt sich an wie ein Spaziergang durch ein regnerisches Venedig – manchmal trüb, manchmal überraschend klar.
Was mich ordentlich geärgert hat, war leider die technische Umsetzung. Das Buch kam erst gar nicht vollständig bei mir an – viele Kapitel endeten abrupt nach ein paar Seiten. Das darf einfach nicht passieren, gerade wenn man bezahlt hat. Ob an Apple oder Diogenes das lag, bleibt unklar, aber der fehlende Support macht die Sache nicht gerade besser. So sehr ich die Story mochte, dieser Ärger trübt das Lesevergnügen ungemein.
Wer Lust auf einen atmosphärischen Krimi mit einer Portion Retro-Flair und einem sympathischen Ermittler hat – und nicht gerade auf technische Probleme steht – könnte hier fündig werden. Für mich bleibt es leider ein halbes Buchvergnügen.
2 von 5 Sternen – Potential da, Umsetzung leider nicht.