Wenn dir das hier gefiel …
Brennender Midi
Key Facts
Kritik
Wenn der Herbst in der Provence einzieht und ein Propellerflugzeug tödlich im Olivenhain zerschellt, ist klar: Hier braut sich etwas zusammen, das mehr Tiefgang verspricht als nur einen simplen Unfall. Genau hier steigt Capitaine Roger Blanc in „Brennender Midi“ in seinen dritten Fall ein – und ja, man fühlt sofort diese Mischung aus Melancholie, Geheimnissen und dem unverwechselbaren Duft südfranzösischer Landschaften.
Die Handlung spannt den Bogen von einem mysteriösen Flugzeugabsturz über verschleierte Wahrheiten bis hin zu überraschenden Wendungen, die nicht nur den Täter, sondern auch Blanchets und sein kompliziertes Privatleben betreffen. Roger Blanc selbst ist ein Ermittler, der mehr in sich trägt, als man auf den ersten Blick sieht: ein Mann, zerrissen zwischen Pflicht und Gefühlen, der versucht, seinen privaten Kram mit dem Fall unter einen Hut zu kriegen. Seine Kolleg:innen dagegen tauchen nicht einfach bei der Arbeit auf, sie entwickeln Konturen, die den Fall authentisch machen.
Cay Rademacher schreibt meist klar, schnörkellos und bringt die Provence mit all ihren Facetten lebendig rüber – sonnengetrocknete Landschaften, knorrige Olivenbäume, flirrende Hitze und den ganz besonderen Sound südfranzösischer Dörfer. Schön finde ich, wie die Atmosphäre fast nebenbei mitschwingt, ohne dass es zu dick aufgetragen wirkt. Allerdings hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass die Geschichte stellenweise ein bisschen zu langatmig und mit unnötigen historischen Details überladen wird, die den Lesefluss eher bremsen als beflügeln. Und ja, der Protagonist kann auch anstrengend sein – gerade wenn sich sein Beziehungschaos etwas zu sehr in den Vordergrund schiebt.
Ehrlich gesagt, wer leichte Provence-Krimis mit Tiefgang, aber ohne allzu große Nervenschlacht schätzt, der wird hier durchaus unterhalten. Wer aber auf durchgehend fesselnde Spannung und knackige Erzählweise steht, könnte sich stellenweise etwas mehr Tempo wünschen. Trotz kleinerer Schwächen ist „Brennender Midi“ ein solider Krimi, der die Reihe um Capitaine Blanc würdig fortsetzt.
Also, für alle Fans von Gemütlich-Krimis mit Lokalkolorit und einem Hauptkommissar mit Ecken und Kanten: Nicht verpassen. Für alle, die mehr Drive erwarten und knappe Storylines mögen, ist das Buch vielleicht eher ein gemütlicher Spaziergang als ein spannender Sprint.
Bewertung: 3 von 5 Sternen – Mittelmaß mit Charakter und ein Hauch Provence, das zwar nicht komplett begeistert, aber auf seine Art charmant bleibt.
Klappentext
Es ist Herbst geworden in der Provence – und Capitaine Roger Blanc kommt nicht zur Ruhe. Im Nachbarort Lançon stürzt ein Propellerflugzeug über einem Olivenhain ab, der Pilot der Maschine ist tot. Blanc und seine Kollegen sehen sich schon bald mit vielen Ungereimtheiten konfrontiert: Der Tote war beim Militär und dort als hervorragender Flieger bekannt. Mehrere Zeugen wollen den Absturz beobachtet haben, doch ihre Aussagen passen nicht zusammen. Wer lügt? Handelt es sich vielleicht gar nicht um einen tragischen Unfall? Der Capitaine beginnt mit den Ermittlungen, die schon bald Beunruhigendes zutage fördern. Offenbar ist der Tote noch für einen anderen, geheimnisvollen Auftraggeber geflogen. Und seine Kameraden sind seltsamerweise überhaupt nicht erschüttert angesichts des Unfalls …
Auch Blancs Privatleben bleibt turbulent. Mit den Scheidungspapieren hat er das Ende seiner Ehe nun schriftlich. Und seine Beziehung zu Untersuchungsrichterin Aveline Vialaron-Allègre gestaltet sich nicht ganz einfach. Vielleicht ist da Ablenkung durch die Arbeit ganz gut. Doch dann stirbt noch jemand im Olivenhain …
Mord in der Provence – Capitaine Roger Blanc ermittelt:
Band 1: Mörderischer Mistral
Band 2: Tödliche Camargue
Band 3: Brennender Midi
Band 4: Gefährliche Côte Bleue
Band 5: Dunkles Arles
Band 6: Verhängnisvolles Calès
Band 7: Verlorenes Vernègues
Band 8: Schweigendes Les Baux
Band 9: Geheimnisvolle Garrigue
Band 10: Stille Sainte-Victoire
Band 11: Unheilvolles Lançon
Band 12: Rätselhaftes Saint-Rémy
Band 13: Bedrohliche Alpilles
Alle Bände sind eigenständige Fälle und können unabhängig voneinander gelesen werden.