Wenn dir das hier gefiel …
Föhnlage
Key Facts
Kritik
Schon beim ersten Aufschlagen von „Föhnlage“ hatte ich das Gefühl, direkt in eine dieser urigen Alpenkulissen hineingezogen zu werden, wo das Drama gleich um die Ecke lauert – und das mit richtig viel Alpen-Charme. Die Geschichte startet nämlich mit einem ziemlich ungewöhnlichen Unglück: Ein Mann stürzt bei einem Konzert in Garmisch-Partenkirchen von der Empore in die Menge – und trifft dabei ausgerechnet einen anderen Zuhörer tödlich. Kommissar Jennerwein steht vor der Frage, ob es Unfall, Selbstmord oder Mord war. Dabei stolpert man Stück für Stück durch widersprüchliche Zeugenaussagen und lokale Klatschgeschichten, die sich bei Föhnwind und Bier besonders gern verbreiten.
Die Hauptfigur, Jennerwein, ist dabei ganz bodenständig, er wirkt nicht wie der klassische Knasti-Held, sondern eher ein Mensch zum Anfassen, der sich durch das Chaos der Oberbayern schlägt – das ist sympathisch und macht das Mitfiebern leichter. Jörg Maurer legt Wert auf eine Lokalkolorit-Atmosphäre, die durchaus herzerwärmend ist, auch wenn der Stil manchmal ziemlich hölzern oder etwas zugespitzt gerät. Ein bisschen mehr Feinschliff in der Erzählstruktur hätte dem Buch gut getan, denn die vielen Handlungsstränge und Figuren sorgen durchaus für Verwirrung.
Was mich leider irritiert hat, ist, dass sich trotz sarkastischer Anmerkungen etliche Stereotype durch das Buch ziehen, die sich mit Ironie nicht ganz so elegant kaschieren lassen, wie man es sich wünscht. Es bleibt teilweise ein Gefühl von Wiederholung, als wäre das Drehbuch eines Alpenkrimis schon vor Jahrzehnten abgeholt worden und hier nur etwas neu angemalt. Da hilft auch die originelle Grundidee nicht immer weiter.
Für alle, die gerne mal in einem Alpenkrimi schnuppern möchten und es nicht ganz so kompliziert mögen, ist „Föhnlage“ sicher ein netter Zeitvertreib, der atmosphärisch punktet, aber wer richtig viel Spannung oder tiefgehende Charakterentwicklungen erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein.
Fazit: Authentischer Ort trifft auf gemütliches Krimi-Kleinod, das aber an seinen eigenen Versatzstücken kratzt. Wer Maurers Stil mag, hat hier womöglich Freude, allen anderen könnte es zu stereotyp und unübersichtlich werden. Ich vergebe 2 von 5 Sternen – es ist ok, aber definitiv kein Meisterwerk.
Klappentext
Bei einem Konzert im schönen Garmisch-Partenkirchen stürzt ein Mann von der Saalempore ins Publikum – tot. Und der Zuhörer, auf den er fiel, auch. Kommissar Jennerwein nimmt die Ermittlungen auf: War es ein Unfall, Selbstmord, Mord? Während er sich mit widersprüchlichen Zeugenaussagen herumschlägt, spekulieren die Einheimischen genussvoll bei Föhn und Bier. Warum ist der hoch angesehene Bestattungsunternehmer Ignaz Grasegger auf einmal so nervös? Derweil verfolgt Jennerwein eine heiße Spur…