Eisnebel
Kritik
Man steigt in „Eisnebel“ von Kate Alice Marshall ein und fühlt sich sofort wie auf einem verschneiten Gipfel, der kaum warm werden will – und genauso eisig ist die Atmosphäre, die sich um Theodora und das abgelegene Anwesen Idlewood legt. Die Geschichte zieht dich direkt in ihren Bann: Theodora, frisch verlobt mit Connor, betritt das pompöse Winterrefugium seiner Familie und merkt schnell, dass sie dort alles andere als willkommen ist. Von mysteriösen Drohnachrichten bis zu einem Gefühl, hier schon einmal gewesen zu sein – die Spannung schraubt sich in schwindelerregende Höhen.
Was mir besonders gut gefallen hat, ist die feine Balance zwischen Privilegien und Isolation auf Idlewood. Die Hauptfigur Theo ist keine klassische Heldin ohne Makel – sie wirkt real, verletzlich und geheimnisvoll, was das Lesen richtig spannend macht. Kate Alice Marshalls Schreibstil trifft genau den Ton zwischen elegant und packend, dabei bleibt die Sprache zugänglich und lässt einen nicht erstickt oder gar gelangweilt zurück. Ganz ehrlich, ich habe mitgefiebert, geknifflt und ab und zu sogar kurz den Atem angehalten.
Klar, ein paar Stellen zogen sich für meinen Geschmack etwas hin, vor allem gegen Mitte des Buches hätte die Geschichte an Tempo zulegen können. Auch manche Geheimnisse kommen für meinen Geschmack ein kleines bisschen zu spät ans Licht – da hätte ich mir mehr Frühwarnungen gewünscht, um noch mehr mitzurätseln.
Am Ende darf man sich aufs reine Gefühl verlassen: Wer Lust auf einen Winterthriller mit einer Prise Drama, einem Hauch von dunkler Vergangenheit und einem Setting hat, das einen fast selbst frösteln lässt, der greift hier zu. „Eisnebel“ ist perfekt für alle, die nicht nur Spannung, sondern auch bisschen psychologisches Kopfkino suchen. Für mich gibt’s solide 4 von 5 Sternen – ein echtes Wintergenuss-Paket, das lange nachhallt.