Bedrohliche Alpilles
Key Facts
Kritik
Schon beim Aufschlagen von „Bedrohliche Alpilles“ fühlt man sich direkt in die warme, aber geheimnisvolle Atmosphäre der Provence versetzt – ein Sommer, der auf den ersten Blick friedlich wirkt, sich aber bald als tickende Zeitbombe herausstellt. Capitaine Roger Blanc bekommt es diesmal mit einem Cold Case zu tun, der schon seit sechs Jahren unter der heißen Sonne schlummert: Eine Familie wird in den Alpilles beinahe ausgelöscht, ein Radfahrer stirbt am selben Ort – und hinter diesen Taten steckt weit mehr als das Offensichtliche.
Was diesen Krimi so spannend macht, sind nicht nur die vielschichtigen Charaktere, sondern vor allem die Art, wie Rademacher die Provence als Kulisse lebendig werden lässt. Blanc ist als Ermittler gewohnt ruhig, fast schon entspannt, aber genau diese souveräne Gelassenheit macht ihn als Figur sympathisch und glaubwürdig. Die Nebenfiguren – von der misstrauischen Alten aus dem Dorf bis zur mysteriösen Freundin eines Opfers – bringen ordentlich Pfeffer in die Handlung und zeigen: Hier ist nichts so, wie es scheint.
Der Schreibstil ist flüssig, dabei aber nie zu einfach oder oberflächlich. Man merkt, dass Rademacher den Schauplatz liebt und mit viel Herzblut und Detailverliebtheit erzählt. Ein bisschen hat mich die Geschichte stellenweise trotzdem etwas ausgebremst – besonders, wenn sich das Netz aus Intrigen und Geheimnissen zu sehr verzwirrt. Hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen, um das Tempo etwas knackiger zu halten.
Wer also auf gut erzählte, atmosphärische Krimis mit einer Portion französischem Flair und komplexen Figuren steht, ist bei „Bedrohliche Alpilles“ goldrichtig. Für alle, die schnelle Action bevorzugen, könnte der Fokus auf die Charakterzeichnung und das rätselhafte Geflecht der Vergangenheit etwas zäh sein.
Insgesamt ein rundum solider, wenn auch nicht perfekt rasanter Krimi, der Lust auf einen längeren Aufenthalt in der Provence macht – sehr empfehlenswert für Fans von atmosphärischen, gut durchdachten Ermittlungen.
4 von 5 Sternen.
Klappentext
Capitaine Roger Blanc ist von Gadet ins benachbarte Salon-de-Provence versetzt worden, wo er ab jetzt vor allem rätselhafte Cold Cases aufklären soll. Sein erster Fall ist ein Mord, der vor sechs Jahren stattgefunden hat: Damals wurde eine Familie in ihrem Auto auf einem entlegenen Parkplatz in den Alpilles nahezu vollständig ausgelöscht. Ebenso starb dort ein Radfahrer, der scheinbar nichts mit den anderen Opfern zu tun hatte.
Blanc und seine Kollegen ermitteln in Eyguières und in Aureille, zwei malerischen Kleinstädten, deren Bewohner jedoch dunkle Geheimnisse mit sich herumtragen. Da ist die Freundin eines Opfers, die durch das Verbrechen zu einem Kind und Geld kam. Die alte Bäuerin, die sich betrogen fühlt. Da sind die beiden Rentner, die nicht nur als Touristen in die Provence fahren. Und dann die Toten selbst, die immer mysteriöser werden, je länger die Ermittlungen andauern. Nach und nach entwirren Blanc und seine Kollegen ein Gespinst aus Lügen, Täuschungen und Illusionen. Bis sie erkennen, was sich an dem heißen Sommertag vor sechs Jahren wirklich zugetragen hat.
Mord in der Provence – Capitaine Roger Blanc ermittelt:
Band 1: Mörderischer Mistral
Band 2: Tödliche Camargue
Band 3: Brennender Midi
Band 4: Gefährliche Côte Bleue
Band 5: Dunkles Arles
Band 6: Verhängnisvolles Calès
Band 7: Verlorenes Vernègues
Band 8: Schweigendes Les Baux
Band 9: Geheimnisvolle Garrigue
Band 10: Stille Sainte-Victoire
Band 11: Unheilvolles Lançon
Band 12: Rätselhaftes Saint-Rémy
Band 13: Bedrohliche Alpilles
Alle Bände sind eigenständige Fälle und können unabhängig voneinander gelesen werden.