Ruhe unsanft
Kritik
Kaum habe ich „Ruhe unsanft“ aufgeschlagen, fühlte ich mich sofort in eine Atmosphäre voller Geheimnisse und unterschwelliger Spannung gezogen – so typisch Christie, aber mit einem besonderen Twist. Die frischverheiratete Gwenda Reed ist gerade dabei, ihr neues Heim einzurichten, doch irgendetwas passt hier nicht. Stufen, Türen und Tapeten scheinen ein Eigenleben zu führen, fast so, als ob das Haus selbst Geschichten aus der Vergangenheit erzählen möchte. Klingt schon spannend, oder?
Im Zentrum steht Miss Marple, die gewohnt scharfsinnige ältere Dame, die hier wieder einmal beweist, warum sie zu den besten Detektivfiguren der Krimiwelt gehört. Ihre Begegnung mit Gwenda und der gemeinsame Kampf gegen ein dunkles Familiengeheimnis sind das Herzstück der Handlung. Die Charaktere sind gut gezeichnet, besonders Gwenda mit ihrer Mischung aus Nervosität und Entschlossenheit zieht einen sofort in ihren Bann. Christie schafft es erneut, mit feinem Sinn fürs Detail eine Atmosphäre aufzubauen, die sanft unter die Haut geht. Ihr Stil ist dabei angenehm klar und – das überrascht immer wieder – überraschend witzig, ohne die dunkle Grundstimmung zu verlieren.
Was mir besonders gefallen hat: Die Art, wie das Haus selbst fast wie ein Charakter wirkt und wie die Psychologie der Figuren nach und nach Schicht um Schicht offenbart wird. Das macht das Lesen zu einem echten Erlebnis, das nicht nur mit einem bloßen Kriminalfall aufwartet, sondern auch mit einer ganz besonderen Stimmung. Allerdings muss ich fairerweise sagen, dass sich die Handlung stellenweise etwas zieht. Wer schnelle Action erwartet, könnte gelegentlich ungeduldig werden. Aber hey, Gemächlichkeit hat hier ihren Platz und trägt zur Atmosphäre bei.
Fazit: Wer Lust auf einen klassischen Christie-Krimi mit einer Prise Mystery und einer brillanten Miss Marple hat, ist mit „Ruhe unsanft“ goldrichtig. Ein Stück Bestseller-Krimi zum Wohlfühlen, das nicht so schnell aus dem Kopf verschwindet. Für alle, die lieber Action als Atmosphäre mögen: Vielleicht eher mit Vorsicht genießen.
Ich gebe 4 von 5 Sternen.
Klappentext
Das Haus, das die frischverheiratete Gwenda Reed für sich und ihren Mann einrichtet, macht ihr plötzlich Angst: Stufen, Türen und Tapeten ordnen sich so, als habe Gwenda nur das angeordnet, was längst schon vorhanden war. Spukt es in der alten Villa? Um auf andere Gedanken zu kommen, besucht sie ihre Freunde und lernt dort Miss Marple kennen. Natürlich beschließt die alte Dame dem jungen Paar zu helfen, und gemeinsam lüften sie ein dunkles Familiengeheimnis, dem Gwendas Mutter einst zum Opfer fiel.
(Laufzeit: 3h 44)