Zauberberg 2 (ungekürzt)
Kritik
Ich bin regelrecht in die kalte, neblige Atmosphäre von „Zauberberg 2“ eingetaucht und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Heinz Strunk schafft es, eine höchst ungewöhnliche Mischung aus Geschichte, Humor und unterschwelliger Melancholie zu servieren – genau das Richtige für alle, die Lust auf einen Roman abseits des Mainstreams haben.
Die Handlung begleitet Jonas Heidbrink, einen Mann, der bereits früh finanziell ausgesorgt hat, dessen Seele aber alles andere als heil ist. Statt auf der Sonnenseite des Lebens zu schaukeln, sieht er sich plötzlich in einem Sanatorium in der mecklenburgischen Einöde wieder – einem Ort zwischen Noblesse und Verfall, zwischen Menschen mit gebrochenen Geschichten. Strunks Charaktere sind nie plakativ, sondern von einer ehrlichen Schrulligkeit, die sie sterblich und gleichzeitig faszinierend macht. Jonas selbst schwankt wunderbar zwischen zynischem Widerstand und dem leisen Wunsch nach Nähe, was ihn extrem nahbar wirken lässt.
Der Stil ist simpel, aber so pointiert, dass ich oft schmunzeln musste, ohne dass der Ton jemals leichtfertig wird. Der Autor spielt mit den Kontrasten zwischen der glitzernden Oberfläche des Erfolgs und den verborgenen Schatten einer Krise – das hat eine angenehme Tiefe und macht das Buch vielschichtig. Ein kleines Manko? Ab und an hätte ich mir ein bisschen mehr Tempo gewünscht; manche Passagen ziehen sich ein wenig in die Länge und könnten einige Leser:innen durchhängen lassen.
Wer Interesse an gesellschaftskritischen, psychologisch fein gezeichneten Geschichten hat, die mit einem trockenen Augenzwinkern erzählt werden, wird hier voll auf seine Kosten kommen. „Zauberberg 2“ ist kein Wohlfühlroman, sondern ein nachdenklicher Spiegel, der sich mit leisen Tönen bemerkenswert laut bemerkbar macht.
Fazit: Ein Roman für alle, die gerne hinter die glänzende Fassade blicken und sich auf einen ungewöhnlichen Aufenthalt einlassen möchten. 4 von 5 Sternen.