Yesteryear
Kritik
„Yesteryear“ von Caro Claire Burke hat mich sofort in seinen Bann gezogen – ein Buch, das fast wie ein Blick hinter die glänzende Fassade wirkt, die uns so oft in den sozialen Medien präsentiert wird. Natalie Heller Mills scheint das perfekte Leben zu führen: eine hübsche Farm, sechs Kinder, ein liebender Ehemann mit Cowboy-Stiefeln und eine riesige Schar Bewunderer, die ihr Leben online bewundern. Doch die Geschichte zeigt schnell, dass hinter diesem Instagram-Traum eine Menge unerzählte Geschichten schlummern.
Die Handlung dreht sich darum, was passiert, wenn Natalie plötzlich keine „unsichtbaren Helden“ mehr um sich hat. Keine Nannys, kein Produktionsteam, keine perfekten Bilder – plötzlich steht sie selbst im Mittelpunkt aller Herausforderungen. Das fühlt sich nicht nur realistisch an, sondern auch ehrlich und berührend. Natalie ist dabei keine übertriebene Superheldin, sondern eine Frau, deren Kämpfe und Zweifel absolut nachvollziehbar sind. Das macht die Figur unglaublich nahbar und lässt einen mitfiebern.
Der Schreibstil von Caro Claire Burke ist angenehm leicht, locker und dennoch präzise genug, um diese emotionalen Momente authentisch wirken zu lassen. Oft ertappt man sich dabei, wie man direkt mit Natalie mitleidet oder in Erinnerungen an das eigene Leben schwelgt. Besonders gelungen fand ich, wie die Autorin die Balance zwischen der vermeintlichen Perfektion und den darunter liegenden Unsicherheiten hält – das macht das Buch zu keiner seichten Wohlfühlgeschichte, sondern zu einem ehrlichen Portrait.
Ein kleiner Wermutstropfen: An manchen Stellen hätte ich mir noch ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht, zum Beispiel bei den Nebenfiguren oder den Hintergründen der Familie. Manchmal wirkt die Story etwas sehr konzentriert auf Natalie, was etwas den Blick aufs große Ganze verengt. Aber hey, das trübt meinen Lesespaß kaum.
„Yesteryear“ ist definitiv etwas für alle, die gerne in Familiengeschichten eintauchen, die sich nicht nur mit Zuckerwatte zufriedengeben, sondern auch die Schattenseiten ehrlich sehen wollen. Wer soziale Medien und Insta-Leben schon mal kritisch hinterfragt hat, dürfte hier einiges wiedererkennen – und sich vielleicht ein bisschen weniger alleine mit den eigenen Unsicherheiten fühlen.
Mein Fazit: Ein erfrischend authentisches Buch über das Leben hinter den Kulissen einer perfekten Welt, das sowohl zum Mitfühlen als auch zum Nachdenken anregt.
Bewertung: ★★★★☆
Klappentext
Natalie Heller Mills hat alles: eine malerisch renovierte Farm, sechs Kinder, die um ihre Liebe buhlen, und einen Mann, der in Cowboy Stiefeln immerhin eine gute Figur abgibt. Vom Sauerteig bis zur Kindererziehung, nichts scheint ihr zu misslingen. Kein Wunder also, dass ihr Millionen von Menschen folgen, ihre Videos schauen, ihre Bilder anklicken. Sie gibt ihnen das, was sie wollen: eine heile Welt. Skandale werden unter den Teppich gekehrt, da, wo sie hingehören.
Doch eines Tages wacht Natalie auf und sieht sich mit einer unbequemen Frage konfrontiert: Was wäre, wenn sie keine Nannys beschäftigen könnte, es keine helfenden Hände auf der Farm gibt, kein Produktionsteam? Was wäre, wenn sie auf einmal das Leben führen müsste, dass sie immer vorgetäuscht hat?
Ungekürzte Lesung mit Lisa Hrdina
14h 35min