Momo
Kritik
Kaum ein Buch schafft es, mit so viel Wärme und Tiefgang über etwas Alltägliches wie Zeit zu erzählen, dass man plötzlich selbst innehält und genau hinhört. „Momo“ von Michael Ende nimmt dich mit an den Rand einer Stadt, in eine Ruine, in der ein ungewöhnliches Mädchen wohnt – Momo, die Zuhörerin, die den Menschen zeigt, was wirklich wichtig ist. Klingt simpel, ist aber alles andere als das.
In der Geschichte geht es nicht nur um ein Kind, das Freunde gewinnt, sondern um eine ganz besondere Kraft, die Zeit. Wenn die mysteriösen Grauen Herren auftauchen und den Menschen fast heimlich ihre Zeit stehlen, wird daraus ein richtig fesselnder Kampf um Wertschätzung und echtes Leben – kein theoretischer Kram, sondern was zum Anfassen. Momo selbst ist zwar ein bisschen geheimnisvoll, aber gerade das macht sie sympathisch und glaubwürdig. Ihr Mut und ihre Klarheit ziehen einen direkt mit.
Endes Sprache ist leicht zugänglich, dabei aber niemals banal. Ein ganz großer Pluspunkt für mich: Hier gibt es keine staubtrocken belehrenden Passagen, sondern Geschichten, die im Herzen sprechen. Tatsächlich hat das Buch eine angenehme Mischung aus Fantasie und einer Prise Nachdenklichkeit, die einen nicht mehr loslässt. Und ja, manchmal hätte ich mir gewünscht, dass die Handlung etwas flotter voranschreitet – manchmal zieht sich die Geschichte ein bisschen, was sicherlich Geschmackssache ist.
Kurz gesagt: Wer auf der Suche nach einem Buch ist, das sowohl ein bisschen Magie als auch eine wichtige Botschaft übers Leben vermittelt, liegt bei „Momo“ goldrichtig. Für mich ein zeitloser Klassiker, der zum Nachdenken anregt – ohne dabei kopfig zu wirken.
4 von 5 Sternen – weil die Geschichte berührt, aber an manchen Stellen etwas mehr Drive vertragen hätte. Absolut empfehlenswert für alle, die gerne in ein Buch eintauchen, das Herz und Hirn gleichermaßen anspricht.