Wenn dir das hier gefiel …
Das Lied der Störche
Key Facts
Kritik
Schon in den ersten Kapiteln hat mich „Das Lied der Störche“ regelrecht in den Bann gezogen – diese Mischung aus Nachkriegsgefühl, Heimatverlust und der zarten Hoffnung auf eine neue Zukunft ist einfach mitreißend. Ulrike Renk erzählt die Geschichte von Frederike, die als junges Mädchen im Ostpreußen der 1920er Jahre aufwächst, umgeben von idyllischer Landschaft und dem gutbürgerlichen Leben ihres Stiefvaters. Doch der Schatten des Ersten Weltkriegs wirft lange nach, und schnell wird klar: Die Zeiten sind unsicher, Altes zerbricht, und Frederikes abgesicherte Welt gerät ins Wanken. Während ihre Altersgenossinnen Berlin erkunden und das Leben feiern, muss sie sich mit ganz anderen Problemen auseinandersetzen – und dann ist da noch Ax von Stieglitz, ein Mann voller Geheimnisse, der zugleich eine mögliche Rettung und eine Quelle der Unsicherheit für sie darstellt.
Was mich besonders gepackt hat, sind die lebendigen Figuren und ihre inneren Konflikte. Frederike wirkt keineswegs perfekt, sie ist verletzlich, ein wenig verloren und doch stark in ihrer Zerbrechlichkeit – dadurch fühlt man sich ihr nah und will wissen, wie sie ihr Schicksal meistern wird. Renk schreibt dabei so, dass man die Atmosphäre der damaligen Zeit quasi riechen kann: die Wärme des Sommerwindes, das Knarzen der alten Dielen, die Angst und das Hoffen – alles ganz ohne Kitsch und stets sehr gefühlvoll.
Klar, manchmal hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht, gerade wenn sich die Handlung mal in Details verliert, die nicht ganz zwingend notwendig sind. Auch das Geheimnis um Ax von Stieglitz bleibt stellenweise etwas vage, da wäre ein wenig mehr Tiefe schön gewesen. Aber das tut dem Gesamtbild kaum Abbruch, denn gerade diese kleinen Eigenheiten machen das Buch auch irgendwie sympathisch und authentisch.
Wer auf Familiengeschichten mit historischen Background steht, tiefe Gefühle schätzt und Lust hat, in eine untergegangene Welt einzutauchen, der wird hier vieles finden, was das Herz berührt. Kein leichter Stoff, aber sehr lohnenswert. Ich vergebe solide 4 von 5 Sternen – ein Buch, das man gern weiterempfiehlt und das zum Nachdenken einlädt.
Klappentext
Erster Teil der berührenden Familien-Saga, die auf wahren Begebenheiten beruht.