Wenn dir das hier gefiel …
Die Leiden des jungen Werther — Band 2
Key Facts
Kritik
Werther meldet sich zurück – und alle Emotionen, die man von seinem ersten Leidensweg kennt, kommen direkt wieder hoch. Wer sich auf „Die Leiden des jungen Werther — Band 2“ einlässt, begibt sich auf eine intensive Reise durch Herzschmerz, Sehnsucht und tiefgründige Selbstzweifel, die so zeitlos wirken, als wären sie von gestern.
Im Kern begleiten wir Werther in seinen Briefen, die uns Einblick in seine quälende Liebe zu Lotte vermitteln, die unerreichbar scheint. Werthers Gefühlswelt wird zum Feuerwerk aus Glücksmomenten und purer Verzweiflung – hier lebt das Sturm und Drang eben in voller Wucht. Die Figuren sind zwar klassisch angelegt, doch Goethes Sprache macht sie lebendig, leidenschaftlich und nahbar. Der Briefroman-Stil lässt einen quasi neben Werther sitzen, wenn er seine innersten Gedanken offenbart.
Besonders beeindruckt hat mich, wie authentisch und unmittelbar Goethe Emotionen vermittelt. Man spürt förmlich Werthers Herzschmerz und kann kaum aufhören zu lesen, obwohl das Ende bekannt ist und sich allmählich abzeichnet. Manchmal stolpert man allerdings über kleine Verwirrungen – gerade bei den Datumsangaben in den Briefen, was das Nachvollziehen der Chronologie etwas trübt, vor allem, wenn man das Buch zur Schule oder Uni nutzt.
Trotzdem: Wer sich für eine literarische Achterbahnfahrt durch Romantik und Tragik interessiert und nicht davor zurückschreckt, sich emotional fordern zu lassen, findet hier eine faszinierende, wenn auch nicht unkomplizierte Lektüre. Goethe hat ein Werk geschaffen, das auch heute noch berührt – mit einem etwas angestaubten Stil, der aber durchaus Charme versprüht.
Kurzum: „Werther“ Band 2 ist definitiv kein Leichtgewicht, aber ein Muss für alle, die Klassiker mit Tiefgang mögen. Wer sich darauf einlässt, erlebt eine bewegende, ehrliche Geschichte, die mehr als nur Literatur ist.
4 von 5 Sternen – weil die Zeitlosigkeit und Intensität begeistern, kleine Stolpersteine im Detail aber leicht nerven können.
Klappentext
Die Erstausgabe erschien im September 1774 zur Leipziger Buchmesse und wurde gleich zum Bestseller. 1787 überarbeitete Goethe den Roman, wobei unter anderem das Genitiv-s im Titel entfiel. Der Roman ließ Goethe 1774 gleichsam über Nacht in Deutschland berühmt werden und gehört zu den erfolgreichsten Romanen der Literaturgeschichte.