Wenn dir das hier gefiel …
Léon und die Frau im blauen Kleid
Key Facts
Kritik
Manchmal braucht man einfach einen Roman, der einen direkt in eine sonnige, glamouröse Welt entführt – mit all ihren dunklen Abgründen. „Léon und die Frau im blauen Kleid“ hat genau das bei mir geschafft: Ein Mordfall an der Côte d'Azur, der vor Prunk und Schein nur so strotzt, aber schnell zeigt, dass unter der glitzernden Oberfläche nichts so harmlos ist, wie es scheint.
Die Geschichte setzt direkt dort an, wo das Meer unerwartet eine Leiche ans Ufer spült – und sofort wird klar, dass hier mehr im Spiel ist als nur ein tragischer Unfall. Commissaire Léon de Cavallier und seine Kollegin Nadia Bentaleb bilden ein Duo, das sofort neugierig macht: Er, der erfahrene Ermittler mit einem Hauch von Melancholie, sie, die zupackende Powerfrau mit klarem Blick und eigenen Dämonen. Die Dynamik zwischen den beiden ist charmant, manchmal spritzig und sorgt für eine willkommene Abwechslung zu den krimiüblichen Partner-Konstellationen.
Alexander Oetkers Schreibstil ist zugänglich und lebendig, ohne dabei zu locker zu werden – perfekt, um sich entspannt in die mediterrane Atmosphäre fallen zu lassen, während man Stück für Stück hinter die Fassade der High Society blickt. Besonders gelungen fand ich, wie geschickt der Autor Spannung mit dem Flair von Nizza verwebt und dabei gesellschaftliche Themen nicht ausspart. Da möchte man fast selbst am Apéro an der Promenade sitzen, wenn auch mit einem wachsamen Auge.
Ein bisschen fehlte mir an manchen Stellen das Tempo, das hätte den Nervenkitzel noch etwas schärfer machen können. Und ja, die ein oder andere Wendung hat man schon mal in anderen Thrillern gelesen – trotzdem bleibt die Story dank der starken Charaktere und der prallen Umgebung frisch genug.
Wer auf atmosphärische Krimis mit Tiefgang steht und Lust hat, zwischen Luxus und dunklen Geheimnissen zu wandeln, ist hier genau richtig. Ein klassischer Sommer-Krimi, der Spaß macht, ohne dabei seicht zu bleiben.
4 von 5 Sternen – weil „Léon und die Frau im blauen Kleid“ einfach das gewisse Etwas hat, das einen nicht loslässt.