Quallenplage
Kritik
Wer sich nach einer sommerlich-leichten Krimileserunde sehnt, die mehr Herz als Härte zeigt, ist bei „Quallenplage“ von Susanne Bergstedt bestens aufgehoben. Der Schilkseer Strand als Schauplatz ist fast schon eine Einladung zum Kurzurlaub – Strandkorb, Ostsee und das lebendige Treiben rund um den Olympiahafen bescheren sofort Urlaubsfeeling und eine wohltuende Portion Lokalkolorit. Genau in dieser entspannten Atmosphäre wird Telse Himmels Traum vom ruhigen Neustart durchbrochen, als eine Leiche am Strand auftaucht – Feuerquallen inklusive.
Telse, die ihre Zeit als Hamburger Journalistin hinter sich lässt, und Wanda, die wohlhabende Witwe mit klugem Verstand, sind ein Duo, das direkt Spaß macht. Besonders Wanda mit ihrer Mischung aus Eleganz und leichter Unerschrockenheit sorgt für einige amüsante Momente. Die Ermittlungen, bei denen die beiden neben dem Kriminalhauptkommissar Olaf Wuttke charmant Undercover spielen, fesseln ohne dabei in düstere Abgründe abzutauchen. Bergstedts Schreibstil ist dabei angenehm lebendig, direkt und mit einem Augenzwinkern, was das Lesen zum Genuss macht – man fühlt sich, als wäre man mitten drin statt nur dabei.
Was mir besonders gefallen hat: die Balance zwischen Spannung und Humor, die sympathischen Figuren mit ordentlich Ecken und Kanten und der feine Einblick in eine kleine Gemeinschaft, die ganz wunderbar als Mikrokosmos funktioniert. Einziger kleiner Wermutstropfen: Manche Handlungsstränge hätten für meinen Geschmack gern etwas straffer erzählt werden dürfen – wenige Szenen zogen sich ein kleines bisschen in die Länge, ohne den Lesefluss komplett zu stören.
Wer also auf ungewöhnliche Ermittlerinnen steht, die mit Köpfchen und Herz statt Knarre und Härte agieren, und zwischendurch den Duft von Meer und Strand schnuppern will, liegt mit „Quallenplage“ richtig. Ein sanft prickelnder Krimi, der Lust auf mehr macht.
4 von 5 Sternen.