Wer sich in Gefahr begibt - Ein Fall für Lizzie Martin & Benjamin Ross, Teil 1 (Gekürzt)
Kritik
Manchmal braucht es nicht mehr als einen heißen Tee und eine gute Portion Neugierde, um sich komplett in eine Welt aus Nebel, Geheimnissen und Spannung ziehen zu lassen – genau das schafft Ann Granger mit „Wer sich in Gefahr begibt“. London 1864, eine Zeit voller Gegensätze: prachtvolle Villen neben schäbigen Elendsvierteln. Hier beginnt Lizzie Martin ihren Dienst als Gesellschafterin – und gerät prompt mitten in einen düsteren Kriminalfall. Ihre Vorgängerin ist mysteriös verschwunden, und als der Leichnam des Mädchens auftaucht, kann Lizzie nicht anders, als zu ermitteln. Unterstützt wird sie dabei von Benjamin Ross, einem alten Bekannten, dessen Scharfsinn und Loyalität der perfekte Gegenpart zu Lizzies Mut und Mitgefühl sind.
Die Charaktere sind lebensecht gezeichnet, ohne zu überladen zu wirken. Man fühlt sich schnell verbunden mit Lizzie, die trotz sozialer Schranken nicht nur für Gerechtigkeit kämpfen will, sondern auch mit ihren eigenen Ängsten und Zweifeln hadert. Benjamin bringt die nötige Bodenständigkeit und eine leichte Prise Humor ins Geschehen, was die Spannung angenehm auflockert. Ann Grangers Schreibstil ist klar, flüssig und streckenweise richtig fesselnd – es passt genau die Mischung aus historischer Atmosphäre und Krimispannung. Besonders begeistert hat mich, wie die Autorin das Leben in der düsteren Großstadt detailreich und glaubwürdig beschreibt, ohne dabei den Lesefluss zu bremsen.
Klar, die gekürzte Version sorgt manchmal für kleine Sprünge in der Handlung, was gelegentlich kurz irritiert, aber die zentrale Story verliert dadurch keinen Schwung. Für Fans klassischer englischer Krimis mit historischem Flair ist das allerdings kein echtes Manko, eher eine Notwendigkeit für das Hörbuch-Format, das übrigens durch die Stimme von Katharina Thalbach noch einmal ordentlich gewonnen hat.
Wer also Lust hat auf einen smarten Krimi mit einer starken Heldin, einem sympathischen Ermittler-Duo und genug Spannung, um bis zur letzten Seite dran zu bleiben, ist hier genau richtig. Und keine Sorge, das Ganze kommt ohne zu viel viktorianisches Pathos oder schwerfälligen Ballast daher – eher leichtfüßig, frisch, mit Herz und Verstand.
Fazit: Ein temporeicher, atmosphärisch dichter Einstieg in eine neue Krimireihe, der neugierig macht auf mehr. Ideal für Genießer:innen historischer Spannung, die es gerne authentisch, aber nicht zu verkopft mögen.
4 von 5 Sternen.