Vega Varg – Das Schweigen der Insel
Kritik
Kaum habe ich „Vega Varg – Das Schweigen der Insel“ aufgeschlagen, hat mich die rauhe Atmosphäre der Koster-Inseln sofort umfangen – so, als würde ich direkt den salzigen Wind in den Haaren spüren. Åsa Hellberg entführt uns hier nicht nur in einen spannenden Krimi, sondern auch an einen Ort, der beinahe selbst zur Hauptfigur wird.
Im Zentrum steht Kommissarin Vega Varg, deren professionelle Härte und warmherzige Mutterrolle wunderbar miteinander harmonieren. Der Fall, den sie aufklären muss, ist sofort packend: Ein toter junger Mann, ein verschwundenes Politikerspürnchen und diese Frage, die Vega mehr als nur beruflich berührt – denn alte Schatten aus ihrer Vergangenheit holen sie wieder ein. Hellberg gelingt es, die Ermittlungen schlau zu verknüpfen mit Vega persönlichem Drama, ohne dass es je zu schwer oder verkopft wirkt. Die Figuren sind lebendig, glaubwürdig und bewegen sich in einem Setting, das zwischen idyllischem Inselparadies und schroffen, dunklen Geheimnissen pendelt.
Der Schreibstil ist angenehm klar und schnörkellos, mit einem Hauch skandinavischer Melancholie, die genau richtig dosiert ist. Ich habe die ungekürzte Lesung von Tanja Geke dazu gehört – ein weiterer Pluspunkt, denn ihre Stimme bringt die Charaktere und die Stimmung wunderbar zum Leben.
Ganz ehrlich, ein paar kleinere Hänger gibt es – manche Wendungen sind erwartbar und das Tempo schwankt ein bisschen, aber das hat mich nicht wirklich gestört. Wer auf klassischen skandinavischen Krimi mit einer starken Frauenfigur und einer Prise Familiendrama steht, wird hier definitiv sein Vergnügen haben.
Kurz gesagt: Dieses Buch ist ein solider Einstieg in eine neue Krimireihe, die mit ihrem rauen Charme und viel Herz punktet. Für alle, die gern mal die Seele bei einem spannenden Fall mitwinden lassen, genau das Richtige.
Bewertung: 4 von 5 Sternen.
Klappentext
Der erste Herbststurm zieht über die Koster-Inseln, als ein toter junger Mann auf einem Bootssteg gefunden wird. Vega Varg übernimmt den Fall. Sie ist Polizistin mit Leib und Seele. Das gilt auch für ihre beiden erwachsenen Söhne. Der Tote ist ausgerechnet ein Kindheitsfreund von ihnen. Noch am selben Tag verschwindet die Norwegerin, die ihn gefunden hat. Da es sich bei der Frau um die Gattin eines bekannten Politikers handelt, bekommt Vega Unterstützung von ihrem besten Freund und Kollegen Lepold Posse aus dem nahegelegenen Oslo. Doch je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto mehr verschwimmt für Vega die Grenze zu ihrem eigenen Leben. Denn vieles erinnert sie an einen alten ungelösten Fall: den Mord an ihrem Ehemann vor über zwanzig Jahren.
Ungekürzte Lesung mit Tanja Geke
10h