Born A Crime
Kritik
Schon nach den ersten Seiten von Trevor Noahs „Born A Crime“ fühlt man sich wie auf einer Reise durch ein Kapitel Geschichte, das persönlicher kaum sein könnte – und trotzdem mit einer gehörigen Prise Humor, die so richtig Laune macht. Noah erzählt von seiner Kindheit als „verbotenes Kind“ in Südafrika zur Zeit des Apartheidsystems, eine Zeit, in der seine Existenz selbst ein Verbrechen war.
Die Geschichten sind knackig, oft urkomisch und manchmal tief bewegend: Trevor als Junge, der mit zehn Leben ausgestattet scheint und doch immer wieder auf die schiefe Bahn abzurutschen droht. Besonders beeindruckend ist die Dynamik zu seiner Mutter, die mit einer Mischung aus strenger Strenge, unbändigem Glauben und einem rebellischen Herzen durch seine Biografie führt. Diese beiden Figuren – der kluge, neugierige Junge und die furchtlose Mutter – machen das Buch zu einer unvergesslichen Begegnung.
Noahs Erzählstil ist leichtfüßig, witzig und gleichzeitig so ehrlich, dass man ohne großes Nachdenken mitfühlt. Seine Beobachtungen über Rassismus, Identität und Politik sind scharfkantig, aber nie belehrend. Stattdessen bekommt man oft das Gefühl, sich bei einem guten Freund am Küchentisch zu unterhalten. Stark dabei: Wie Noah die Absurditäten seiner Kindheit schildert – von den skurrilen Situationen, in denen er sich wiederfindet, bis hin zu den wirklich ernsten Momenten. Das macht das Buch zu einem emotionalen Highlight mit viel Tiefgang, das einen auch mal lachen und gleichzeitig schlucken lässt.
Klar, manchmal zieht sich die Erzählung etwas, wenn man sich mehr Hintergründe über die Zeit wünscht oder Noah an manchen Stellen etwas ausschweift. Dafür entschädigt aber seine unverwechselbare Art, mit Sprache und Timing zu spielen. Wer das Memoir-Genre mag, aber keine Lust auf schwere Kost hat, liegt hier genau richtig.
Kurz gesagt: „Born A Crime“ ist ein Geschenk, das klug unterhält, berührt und aufweckt – perfekt für alle, die gern Weltgeschichte aus einem ganz persönlichen Blickwinkel erleben wollen. Vier von fünf Sternen, weil das Buch trotz kleiner Längen einfach Spaß macht, zum Nachdenken anregt und lange im Gedächtnis bleibt. Unbedingt lesen!