Ins fahle Herz des Sommers (Gekürzt)
Kritik
Schon beim ersten Satz nimmt Andreas Eschbach dich mit in eine Welt, in der die Sonne erbarmungslos vom Himmel brennt und das Leben zur Zerreißprobe wird – und ehrlich gesagt, das fühlt sich verdammt nah an der Realität an. „Ins fahle Herz des Sommers (Gekürzt)“ spielt in einer nahen Zukunft, in der der Süden Deutschlands zur Wüste verkommen ist und alle, die es konnten, geflohen sind. Doch Fausto und ein paar andere Hartgesottene halten durch, eingeklemmt in einem fast verlassenen Dorf. Der Alltag ist karg, der Kampf ums Überleben gnadenlos, bis diese geheimnisvolle Frau auftaucht, die irgendwie immun gegen die Hitze zu sein scheint. Und ja, Fausto ist sofort hingerissen – ich meine, wer wäre das nicht?
Die Figuren wirken dabei ganz echt, nicht klischeehaft, was ich besonders schätze. Fausto ist kein strahlender Held, eher ein Mann, dem das Schicksal übel mitspielt, aber der seine Hoffnung nicht ganz verloren hat. Die Frau mit dem Rätsel dahinter breitet dieses gewisse Etwas aus, das einen nicht mehr loslässt. Eschbach schreibt dabei so klar und bildhaft, dass man förmlich die Sonne auf der Haut spürt – manchmal zu heiß, fast beklemmend. Seine Sprache ist schnörkellos, trifft aber genau die richtigen Töne, als würde ein guter Freund die Geschichte erzählen.
Was mich etwas gestört hat: Die gekürzte Fassung lässt an manchen Stellen ein bisschen Tiefe vermissen, fast so, als ob man durch einen heißen Sommerregen schaut, der nicht ganz den ganzen Regenbogen einfängt. Manche Wendungen hätten mehr Raum vertragen, um richtig zu zünden. Trotzdem bleibt die Spannung hoch, und das Ende macht neugierig auf mehr – vielleicht liest man irgendwann die volle Version.
Für alle, die Dystopien mit einem Hauch Menschlichkeit und einer überraschenden Portion Herz lieben, ist „Ins fahle Herz des Sommers“ genau der richtige Sommerhit. Wer auf detailverliebte Weltenbauerei steht, könnte ein bisschen kurzkommen, aber die Gedanken und Emotionen bleiben hängen.
Am Ende gebe ich gern 4 von 5 Sternen – weil die Geschichte trotz der Kürzung voll ins Schwarze trifft und man das Buch kaum weglegen mag. Ein packendes, ehrliches Stück Zukunft, das einen noch lange nach dem Lesen begleitet.