Man kann auch in die Höhe fallen - Roman (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Manchmal braucht man genau diese eine Geschichte, die einen mitten ins Herz trifft und dabei gleichzeitig den Kopf zum Schmunzeln bringt. „Man kann auch in die Höhe fallen“ ist genau so ein Buch – oder besser gesagt: eine Live-Lesung, die man sich am liebsten gleich nochmal anhören möchte. Hier nimmt Joachim Meyerhoff uns mit auf eine Reise, die tiefgründig, ehrlich und doch federleicht erzählt wird.
Die Handlung ist so viel mehr als nur ein Umzug von Berlin aufs Land. Es geht um Neuanfänge, um die Suche nach sich selbst und um das, was „Zuhause“ wirklich bedeutet. Der Erzähler, 50 und nach einem Schlaganfall orientierungslos, zieht zu seiner fast 80-jährigen Mutter, was erst mal nach simplen Familienkram klingt, sich aber als ein echter emotionaler Rettungsring entpuppt. Die Beziehung zwischen Mutter und Sohn ist so warm, nah und authentisch, dass man fast das Gefühl hat, selbst auf diesem idyllischen Grundstück zu sitzen, dem Wind am Meer zu lauschen und zuzusehen, wie Geschichten entstehen und seelische Schwere allmählich leichter wird.
Joachim Meyerhoffs Schreibstil und seine Live-Lesung-Performance sind dabei großes Kino für die Ohren: eloquent, temporeich und doch mit einer betörenden Ruhe, die den dramatischen Rückschlägen immer wieder ein sanftes Gegengewicht gibt. Da wird nicht sentimental geschwafelt, sondern mit Humor und viel Fingerspitzengefühl erzählt. Die Episoden wirken lebendig, die Charaktere so echt, dass man ihnen gerne beim Reden zuhört – ein echtes Hörvergnügen für alle, die den Klang echter Stimmen und handgemachte Literatur mögen.
Ein kleiner Nachteil vielleicht: Wer eine klare Handlung in Kinoformat erwartet, könnte sich an manchen erzählerischen Schwankungen stören. Es gibt keinen rasanten Plot, sondern eine ruhige, fast meditative Erzählweise, die sich Zeit nimmt und viel Raum lässt für Innenblicke. Das ist aber auch genau das, was dieses Werk so besonders macht.
Kurz gesagt: Für alle, die sich gerne auf eine persönliche, ehrliche und warmherzige Geschichte einlassen, die vom Leben schreibt, aber nicht zu schwer daherkommt, ist dieses Hörbuch ein echter Volltreffer. Wer Theater und das Verschmelzen von Leben und künstlerischem Prozess liebt, kommt hier erst recht auf seine Kosten.
4 von 5 Sternen – weil es mit viel Gefühl und Authentizität punktet, auch wenn es an manchen Stellen ein bisschen gemütlicher zugeht als manch einer vielleicht erwartet. Ein Hinhörer, der gerne noch lange nachklingt.