Widdersehen
Kritik
Der Moment, wenn du ein Buch aufschlägst und sofort merkst: Hier wirst du mit auf eine ganz besondere Reise genommen. Genau so ergeht es einem beim neuen Roman von Leonie Swann, „Widdersehen“. Dieses Mal entführt uns die Autorin zurück nach Glennkill – nur mit einer überraschenden Wendung: Die Schafe sind wieder unterwegs, diesmal auf irischem Boden, und das ganz ohne ihre Schäferin Rebecca, die plötzlich spurlos verschwindet. Ja, richtig gehört: Ein einzelner Finger und ein rätselhafter Brief sind alles, was sie hinterlässt – und die Herde steht kopf.
Die kleinen bis großen Dramen, die hier auf der Weide stattfinden, gehen einem sofort unter die Haut. Madouc, die junge Ziege mit Schafsseele, ist wieder mit von der Partie, und ihre Neugier bringt so manche unerwartete Erkenntnis ans Licht. Swanns Figuren – weit mehr als bloße Tiere, sie sind echte Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten – bekommen in „Widdersehen“ jede Menge Raum zum Wachsen. Da gibt es ein Feuerwerk an witzigen, warmherzigen und nachdenklichen Momenten, die einem glatt das Herz aufgehen lassen. Und der Schreibstil? Der ist gewohnt frisch, gefühlvoll und wunderbar leichtfüßig, sodass man beim Lesen oft schmunzeln muss, aber auch ernsthafte Themen nicht zu kurz kommen.
Etwas Kritik? Manchmal nagt die Handlung ein bisschen zu sehr am klassischen Familiendrama, was die ansonsten so lebendige Geschichte für meinen Geschmack kurzzeitig etwas in die Länge zieht. Und wer eher auf einen straffen Krimi oder eine super spannende Ermittlergeschichte gehofft hat, könnte hier vielleicht ein kleines bisschen Geduld brauchen.
Unterm Strich ist „Widdersehen“ ein echtes Wohlfühlpaket – perfide clever, liebevoll skurril und trotzdem immer mit Tiefgang. Wer also Lust auf ein Buch hat, das mit viel Charme und einer ordentlichen Portion Schafswitz aufwartet, sollte sich diese Geschichte nicht entgehen lassen.
** (4 von 5 Sternen)