Die Löwenmutter
Kritik
Wer hätte gedacht, dass das Leben einer einzigen Frau so viel Drama, Herz und Stärke bereithält? „Die Löwenmutter“ von Hera Lind lässt einen nicht so einfach los. Claudia Baumgartner ist keine gewöhnliche Mutter – sie meistert das unfassbare Schicksal, Fünflinge zu bekommen, von denen leider zwei viel zu früh sterben. Und dennoch geht sie unermüdlich weiter, kämpft für ihre Familie, nimmt ein Pflegekind auf, erlebt Liebeskummer, Krankheit und auch schwere Zeiten mit ihrem Mann Florian, der an einer bipolaren Störung leidet.
Die Geschichte ist so nah dran, dass man Claudia am liebsten in den Arm nehmen würde. Ihr Mut, ihre Verletzlichkeit und ihr unbeirrbarer Wille, für ihre Kinder da zu sein, ziehen einen sofort in den Bann. Hera Lind gelingt es, diese komplexen Charaktere lebendig zu erzählen – vor allem Claudia fühlt sich echt an, nicht nur eine fiktive Figur. Der Schreibstil ist klar, emotional und dabei nie kitschig, was die Erzählung sehr zugänglich macht. Man spürt, wie viel Herzblut in diesem Roman steckt, und die Ohrfeigen des Lebens werden genauso ehrlich beschrieben wie die kleinen Glücksmomente.
Natürlich gibt es Stellen, an denen man sich wünscht, manche Konflikte hätten noch mehr Tiefe bekommen können, und hin und wieder wirken einige Wendungen ein bisschen konstruiert. Aber das tut dem Gesamteindruck kaum Abbruch – das Buch lebt von seiner emotionalen Kraft und den authentischen Bildern vom Auf und Ab eines ungewöhnlichen Familienlebens.
Wer gern Geschichten liest, die ans Herz gehen und echte Lebensrealität zeigen, ist hier goldrichtig. Wer allerdings auf leichte, seichte Unterhaltung setzt, wird vermutlich an manchen Passagen hängenbleiben.
Alles in allem: Ein Mutmacher und Trostspender in Buchform, der zeigt: Auch wenn das Leben hart zuschlägt, gibt es immer einen Weg nach vorn. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.
Klappentext
München, 1985: Die junge Claudia Baumgartner lernt den sieben Jahre älteren Flötisten Florian Moser kennen und lieben. Das junge Paar bekommt Fünflinge, die als Frühchen auf die Welt kommen. Zwei der Babys sterben nach wenigen Monaten. Claudia kämpft wie eine Löwin, um ihrer Familie das optimale Zuhause zu bieten. Sie bekommt noch eine weitere Tochter, Julia, und nimmt ein Pflegekind auf, das türkische Mädchen Merve. Doch Florian, der eine bipolare Störung hat, wird zunehmend aggressiv, hat Affären und zwingt Claudia zu mehreren Umzügen quer durch die ganze Republik. Ausgerechnet im Umzugsunternehmer Didi findet Claudia einen treuen Freund – und später einen verlässlichen neuen Partner, als sie sich endlich von Florian trennt. Didi ist es schließlich auch, der Claudia eine späte Heimat schenkt, mit dem Kauf des Hauses in Bergheim, in dem sie sich einst am wohlsten fühlte.
leicht gekürzte Lesung mit Yara Blümel
11h 2min