Wenn dir das hier gefiel …
Die Krabbenfischerin – Das Erbe der Küste
Key Facts
Kritik
Manchmal liest man ein Buch, das einen ganz sanft aber bestimmt packt – genau so ging es mir mit „Die Krabbenfischerin – Das Erbe der Küste“. Dieses kleine literarische Juwel erzählt von Runas Leben, einer Frau, die zwischen Karriere in der Großstadt und den rauen, aber vertrauten Windböen der norddeutschen Küste hin- und hergerissen ist. Der Unfall ihres Bruders stellt plötzlich alles auf den Kopf, und plötzlich muss Runa nicht nur mit familiären Altlasten kämpfen, sondern auch mit der Frage, wo ihr Herz wirklich zuhause ist.
Die Handlung balanciert dabei wunderbar zwischen Spannung, Familienkonflikt und der melancholischen Schönheit der nordischen Landschaft. Runa ist eine Figur, die man sofort ins Herz schließt: stark, selbstbestimmt, aber auch verletzlich. Die Figurenzeichnung ist lebendig und authentisch, vor allem Runas Entwicklung vom Großstadtleben zurück in die familiäre Gemeinschaft fühlt sich echt an, ohne kitschig zu sein. Danela Pietreks Schreibstil ist locker-flüssig, lässt die Atmosphäre fast spürbar werden – man kann förmlich den Wind riechen und das Meer rauschen hören. Besonders schön sind die Bilder der Natur, die nicht nur Kulisse, sondern fast schon Charakter der Geschichte sind.
Weniger gelungen fand ich, dass manche Konflikte ein bisschen vorhersehbar bleiben und die Auflösung manchmal etwas zu sanft wirkt, fast so, als wollte die Autorin allem Unruhe nehmen. Wer aber nach einem ruhigen, warmherzigen Buch sucht, das einen mit einem heimeligen Gefühl zurücklässt, wird das kaum als störend empfinden.
Kurzum: „Die Krabbenfischerin“ ist genau das Richtige, wenn man Lust auf eine ehrliche Familiengeschichte vor der beeindruckenden Kulisse der Nordsee hat – mit einer Heldin, die mit beiden Beinen in der turbulenten Realität steht und doch nach Versöhnung und Heimat sucht. Für alle, die es gerne emotional, aber nicht kitschig mögen, ein absolutes Plus.
4 von 5 Sternen – bodenständig, berührend und mit einer Prise maritimer Sehnsucht. Wer jetzt Lust hat, den Wind der Küste zu spüren, ist hier genau richtig.
Klappentext
Wenn die See ruft, gibt es kein Zurück
Runa Hansen lebt mit ihrem 17-jährigen Sohn auf einem Hausboot mitten in Hamburg. Sie ist beruflich erfolgreich und vor allem unabhängig. Doch dann verunglückt Runas Bruder auf seinem Krabbenkutter – und nichts ist mehr wie zuvor. Der Familienbetrieb an der Nordseeküste steht vor dem Aus. Alte Konflikte brechen auf. Runa steht vor der Wahl: Karriere oder Herkunft, Verstand oder Herz? Tief in ihr wächst die Sehnsucht nach Versöhnung und Neuanfang, nach Heimat. Ist sie bereit, sich der Vergangenheit und den Herausforderungen der Krabbenfischerei zu stellen, um ihre Familie zu retten und ihr Glück zu finden?
»Dann kam der Wind. Erst war es nur ein leises Flüstern, das dann lauter wurde und über die Landschaft zischte. Die Schilfrohre bogen sich in anmutiger Qual, die ersten Tropfen schlugen schwer auf den lehmigen Boden. Der Regen fiel in Strömen, prasselte auf die Reetdächer von Haus, Schuppen und Scheune.
Gebannt sah Runa diesem Naturschauspiel zu, merkte, wie Hauke und Finn neben sie traten. Auch sie waren offensichtlich von dem Anblick fasziniert.
›Die Natur erhebt ihre uralte Stimme, rau, unverkennbar und voller Schönheit‹, sagte Runa und sog tief die Luft ein.
›Und das Marschland wird wie immer auch dieses Unwetter überleben.‹ Hauke legte einen Arm um sie und einen um Finn.
Runa freute sich über diese versöhnliche Geste, genoss das Gefühl von Einigkeit, auch wenn sie ahnte, dass es nur diesen einen kurzen Moment dauern würde.«