Pina fällt aus
Kritik
Manchmal braucht es genau so eine Geschichte, die einem mitten ins Herz trifft — und „Pina fällt aus“ ist genau das. Vera Zischke erzählt nicht einfach nur von einer Krise, sie lässt uns spüren, wie ein kleines, ungewöhnliches Kiezensemble auf nicht gerade gewöhnliche Weise zusammenwächst.
Im Mittelpunkt steht Leo, ein Zwanzigjähriger, der mit der Welt um ihn herum nur in seinem eigenen Rhythmus klarkommt. Seine Mutter Pina, die ihn bisher behütet hat, fällt plötzlich aus – und damit beginnt das echte Abenteuer: Wie reagiert ein Haus voller Menschen, die eigentlich mit dem eigenen Leben schon genug kämpfen, wenn plötzlich Verantwortung vor der Tür steht? Von Zola, der rebellischen Teenagerin ohne Plan, bis zu Wojtek, dem mürrischen Eigenbrötler, und der melancholischen Inge – alle stolpern sie gemeinsam ins Unbekannte, lernen einander kennen und finden dabei überraschend Halt.
Was mich wirklich begeistert hat, ist Zischkes leichter, trotzdem feinfühliger Stil. Keine kitschigen Dramen, keine Überzeichnung, sondern ein ganz ehrliches, nahbares Portrait, das trotzdem in kleinen Momenten tief berührt. Besonders wunderbar finde ich, wie die Autorin ihren Figuren Raum gibt: Sie sind nicht bloß Klischees, sondern haben diese kleinen Macken und Geschichten, die sie lebendig machen.
Klar, stellenweise hätte der Erzählfluss ein bisschen flotter sein dürfen – gerade zu Beginn schleichen sich kleine Längen ein, die das Tempo etwas zäh wirken lassen. Aber diese Nuance verzeiht man gern, weil die Geschichte eben nicht auf Action setzt, sondern aufs Zwischenmenschliche.
Kurz und knapp: Wer Lust auf ein Buch hat, das mit viel Herz und Humor zeigt, wie Zusammenhalt in den verrücktesten Lebenslagen wachsen kann, liegt mit „Pina fällt aus“ goldrichtig. Ein Roman, der leise Momente und starke Charaktere feiert und dabei keine Angst vor echten Gefühlen hat.
Meine Wertung: 4 von 5 Sternen.