Die Stille vor dem Tod
Key Facts
Kritik
Manchmal gibt es Bücher, die einen einfach nicht loslassen – bei „Die Stille vor dem Tod“ ist es eher ein zähes Festhalten, das man sich wünscht, aber nicht bekommt. Smoky Barrett, die toughe Ermittlerin, ist wieder da, wird mit einem brutalen Mehrfachmord konfrontiert und steht vor Aufträgen, die so düster sind, dass einem schnell klar wird, hier wird’s richtig ungemütlich. Doch während die Story eigentlich nach Hochspannung und nervenzerreißendem Spannungskick schreit, verliert sich der Roman erstaunlich oft in endlosen Gedankenschleifen und den seelischen Abgründen der Hauptfigur – was zwar ganz spannend sein kann, aber irgendwann nur noch ermüdend wirkt.
Die Ermittlungen um die ermordeten Familien in Denver bieten eigentlich genug Stoff, um ein atemloses Thriller-Erlebnis zu zaubern. Doch leider zieht sich die Handlung stellenweise wie Kaugummi, bleibt oberflächlich und beginnt im Mittelteil zu schwächeln. Viel zu oft fühlt man sich gefangen in Smokys inneren Monologen, die sich bis ins Endlose ziehen. Klingt anstrengend? Ist es auch. Schade, denn Massivszenen mit potentiell hohem Drama-Potenzial werden eher halbgar angerissen und nicht zuende gedacht.
Was die Figuren angeht: Smoky Barrett bleibt ein faszinierender Charakter, der durchs Buch manövriert – verletzt, kämpfend und tief geprägt von dunklen Erlebnissen. Leider wirkt ihre Charakterentwicklung diesmal etwas überspannt, fast schon klischeehaft und dadurch verliert man manchmal den Glauben an ihre Authentizität. Die Handlungsempfehlung an sich ist eine Mischung aus nervenaufreibendem Krimi und Psychodrama – hier wird’s definitiv nicht langweilig, aber eben auch nicht so fesselnd wie erwartet.
Wer Cody McFadyen schon kennt und liebt, wird hier vielleicht etwas enttäuscht sein – die gewohnte Spannung und präzise Storyführung bleiben diesmal auf der Strecke. Auf der anderen Seite: Für Leser*innen, die auf tiefgründige Einblicke in die Psyche der Ermittlerin stehen und mit längeren Ausritten in ihre Gedankenwelten klarkommen, könnte dieses Buch durchaus interessant sein. Actionjunkies hingegen werden wohl eher den Kopf schütteln.
Kurzum: Eine zähe Lektüre mit guten Ansätzen, aber zu viel Schwelgerei. Die gute Geschichte wird von einem sperrigen Erzählstil und einem überladenen Innenleben erdrosselt. Gerade Fans der Reihe müssen sich hier erst durchkämpfen, bevor sie die eigentliche Spannung entdecken. Für alle, die auf knackige Thriller ohne viel Ballast stehen, gibt’s hier nur leichten Frust.
2 von 5 Sternen – Potenzial verschenkt, und das macht wirklich schade.
Klappentext
An einem kalten Oktobertag werden Smoky Barrett und ihr Team nach Denver, Colorado, gerufen. Im Haus der Familie Wilton ist Schreckliches geschehen: Die gesamte fünfköpfige Familie wurde ermordet, und der Täter hat durch eine mit Blut geschriebene Botschaft Smoky mit der Lösung des Falles beauftragt. Doch das Unheil ist weit größer, denn die Wiltons sind nicht die einzigen Opfer. Insgesamt drei Familien wurden in der gleichen Nacht und in unmittelbarer Nähe voneinander getötet. "Komm und lerne", lautet die Botschaft an Smoky. Es wird ein grausamer Lernprozess, das Böse in seiner reinsten Form, in seiner tiefsten Abgründigkeit zu spüren. Smoky gelangt an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Und weit darüber hinaus.
Der fünfte Psychothriller aus der Smoky Barrett-Reihe von Cody Mcfadyen - Hochspannung mit Gänsehaut-Potenzial!