Wenn dir das hier gefiel …
Die Löwenmutter
Key Facts
Kritik
Manchmal sind es genau diese Geschichten, die einen mitten ins Herz treffen, weil sie so echt und ungeschönt erzählt sind. „Die Löwenmutter“ von Hera Lind nimmt dich mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt durch das Leben von Claudia Baumgartner, einer Frau, die nichts weniger ist als eine Kämpferin – und das auf geradezu bewundernswerte Weise.
Im Mittelpunkt steht Claudias turbulentes Leben mit ihren Fünflingen, von denen leider zwei viel zu früh sterben, und wie sie trotz aller schwerer Schicksalsschläge nicht nur um ihre Kinder, sondern auch um sich selbst ringt. Der Plot spannt einen Bogen von der Begegnung mit dem Vater der Kinder, Florian, dessen Krankheit und zerbrechliche Persönlichkeit die Familie komplex und oft belastend macht, bis hin zur zweiten Chance mit Didi, dem Mann, der Claudia endlich ein Stück Heimat und Stabilität schenkt. Dabei wird keine rosarote Brille aufgesetzt: Hera Lind zeichnet Menschen mit all ihren Fehlern, Ängsten und Stärken.
Was mich besonders gepackt hat, ist Claudias unerschütterlicher Wille und wie authentisch die Figuren wirken, ohne in Klischees abzurutschen. Der Schreibstil ist flüssig, die Erzählweise packend, dabei aber immer zugänglich – gerade richtig für alle, die gerne tief eintauchen, ohne zu schwer ins Gewicht zu legen. Zwischendurch hätte ich mir manchmal ein bisschen weniger Drama und ein bisschen mehr Atempausen gewünscht, denn man begleitet Claudia quasi in allen Höhen und Tiefen im Schnelldurchlauf. Aber genau das hält das Buch spannend und sorgt dafür, dass die Seiten nur so dahinfliegen.
Kritisch gesehen: Wer sich vor allzu emotionalen Geschichten scheut oder nach einem locker-leichten Sommerbuch sucht, ist hier an der falschen Adresse. Die Erlebnisse können ganz schön nachhallen, und der Familienalltag wird mit all seinen Herausforderungen sehr intensiv beschrieben. Das ist jedoch auch der Grund, warum sich das Werk von der Masse abhebt und nachhaltig bleibt.
Kurz und bündig: „Die Löwenmutter“ ist ein bewegender Tatsachenroman für Leser*innen, die Lust auf viel Gefühl, leichte Melancholie und echte Charaktere haben – ohne Schnickschnack, dafür mit Herz und Biss. Hera Lind zeigt eindrucksvoll, wie stark eine Frau sein kann, wenn sie für ihre Familie kämpft. Für mich ein klares 4-Sterne-Erlebnis.
★★★★☆
Klappentext
München, 1985: Die junge Claudia Baumgartner lernt den sieben Jahre älteren Flötisten Florian Moser kennen und lieben. Das junge Paar bekommt Fünflinge, die als Frühchen auf die Welt kommen. Zwei der Babys sterben nach wenigen Monaten. Claudia kämpft wie eine Löwin, um ihrer Familie das optimale Zuhause zu bieten. Sie bekommt noch eine weitere Tochter, Julia, und nimmt ein Pflegekind auf, das türkische Mädchen Merve. Doch Florian, der eine bipolare Störung hat, wird zunehmend aggressiv, hat Affären und zwingt Claudia zu mehreren Umzügen quer durch die ganze Republik. Ausgerechnet im Umzugsunternehmer Didi findet Claudia einen treuen Freund – und später einen verlässlichen neuen Partner, als sie sich endlich von Florian trennt. Didi ist es schließlich auch, der Claudia eine späte Heimat schenkt, mit dem Kauf des Hauses in Bergheim, in dem sie sich einst am wohlsten fühlte.