Old Soul
Kritik
Manchmal stolpert man in einem Buch über eine Geschichte, die sich gleichzeitig seltsam vertraut und geheimnisvoll anfühlt – „Old Soul“ von Susan Barker ist genau so ein Trip. Gleich am Anfang sitzt man mit Jake und Mariko fest in Osaka fest, verpassen ihren Flug und beginnen bei einem gemeinsamen Abendessen, mehr als nur einen Zufall zu entdecken – eine rätselhafte Fotografin verbindet ihre düsteren Verluste.
Die Handlung ist ein faszinierendes Puzzle, das dich von den pulsierenden Straßen Japans bis in die karge Weite New Mexikos mitnimmt. Jake wird zum Detektiv seines eigenen Schmerzes, verfolgt Spuren einer Frau, die mit jedem Schnappschuss Leben verändert oder zerstört hat. Dabei trifft er auf Menschen, die alle auf ganz unterschiedliche Weise mit Trauer, Wahnsinn und Verlust ringen. Besonders die Begegnung mit Theo, der sterbenden Bildhauerin, bringt eine besondere Tiefe und einen unerwarteten Hoffnungsschimmer in die Geschichte.
Susan Barkers Schreibstil ist dabei nie steif oder überkandidelt, sondern eine tolle Mischung aus bildstark und zugänglich. Ihre Beschreibungen schaffen Atmosphäre, ohne zu überfrachten, und die Figuren wirken lebendig und verletzlich – perfekt, um sich mit ihnen auf die Reise zu begeben. Was mir richtig gut gefallen hat, ist diese feine Balance zwischen Mystery und emotionalem Road-Trip, die „Old Soul“ zu etwas macht, das man nicht einfach so weglegt.
Klar, hin und wieder musste ich kurz schlucken, weil das Tempo an manchen Stellen etwas nachlässt und ein paar Passagen stellenweise etwas zu erklärend wirken. Aber das stört kaum, wenn man sich erst einmal auf die bittersüße Stimmung eingelassen hat.
Wenn du Lust auf einen Roman hast, der dich auf eine mystische Spurensuche mitnimmt, bei der Trauer und Menschlichkeit im Vordergrund stehen, dann könnte „Old Soul“ von Susan Barker genau dein Ding sein. Kein klassischer Thriller, sondern mehr eine melancholisch-schöne Reise ins Herz der Zerbrechlichkeit.
4 von 5 Sternen – ein Buch, das man gerne mitnimmt, wenn man bereit ist, ein bisschen über den Tellerrand der Gegenwart zu schauen und sich von einer geheimnisvollen Geschichte berühren zu lassen.