Letzter Landler
Kritik
Schon beim ersten Schwung der Seiten merkt man: Hier trifft tief verwurzelte Volkskultur auf eine Prise Kriminalfall – und das in einem höchst unterhaltsamen Tanz. Herbert Dutzlers „Letzter Landler“ entführt uns ins idyllische Altaussee, wo nicht nur der dreivierteltaktige Landler das Sagen hat, sondern auch Mord und Affären für ordentlich Wirbel sorgen.
Im Mittelpunkt steht Franz Gasperlmaier, ein bodenständiger Polizist, der sich mühsam zwischen Familie, Fremdsprachen-Hürden (danke, kanadische Schwiegereltern!) und einem komplizierten Mordfall bewegt. Sein Alltag ist so herrlich echt gezeichnet, dass man sich fast selbst am Atmen seiner Sorgen beteiligt fühlt. Unterstützt von vertrauten Kolleginnen wie Dr. Kohlross und Emina erhält die Geschichte diese sympathische, lebendige Dynamik, die den Krimi keineswegs fern oder sterile Beine macht. Dutzlers Schreibstil ist locker-flockig, spritzig und mit einer guten Prise Humor gewürzt – genau das, was man braucht, wenn man gemütlich in eine etwas andere Krimiwelt eintauchen möchte.
Was besonders auffällt: die liebevolle Beschreibung des Ausseer Landes und die reizvolle Gegenüberstellung von Traditionen und modernen Lebensrealitäten. Das Staatsopernballett im kleinen Bad Aussee? Klingt erstmal absurd – genau diese ungewöhnlichen Kombinationen machen das Buch zu einem echten Gewinn. Klar, gelegentlich schleichen sich kleinere Längen ein, besonders wenn es um die Ausflüge in die Familiengeschichte geht. Aber wer für Zwischendurch einen charmanten Krimi mit Lokalkolorit sucht, wird hier definitiv fündig.
Am Ende ist „Letzter Landler“ genau das richtige Buch für Leser:innen, die keine blutige Abrechnung, sondern solides Handwerk mit einem Augenzwinkern schätzen. Ein Krimi, der das kulturell Vertraute wunderbar mit Spannung verbindet und den man gern in einem Rutsch durchliest – gerne auch beim nächsten Besuch in Österreich.
Vier von fünf Sternen für einen Krimi, der nicht nur die Tanzfüße, sondern auch die Lachmuskeln kitzelt.